MOTIVKRAFT
 
 
 
 
 
 
 

WEGE ZUR KRAFT







HINDERNISSE

Auf dem Weg zur Selbstverwirklichung gibt es vor allem zwei Hindernisse.
 
 

1. DIE SCHULDEN DER VERGANGENHEIT

Wenn du unglücklich bist, erinnere dich an den Tag, an dem du vor langer Zeit durch deinen Starrsinn die Liebe von dir gewiesen hast und an den Kreislauf der Verweigerung, der sich daran angeschlossen hat. Erinnere dich an dein Wissen darum, wie falsch deine Verweigerung war, das dein Ich dich nie zugeben hätte lassen, obwohl du wußtest, daß du dafür büßen mußtest.

Und dann fang an, dir zu verzeihen, indem du dich der Gegenwart zuwendest und die Vergangenheit ruhen läßt, den Zusammenhang zwischen deinem Urteil und deinem Unglück fallen läßt. Du kannst dein damaliges Urteil nicht auf einmal aufheben, du mußt warten, bis es von selber von dir abfällt. Sei nicht ungeduldig, zweifle nicht. Du hast den Umkehrpunkt überschritten, sorge dich daher nicht und geh weiter.
 
 

2. DIE WUNSCHVORSTELLUNG

Die Wunschvorstellung schränkt die Chancen der Selbstverwirklichung ein. Mit ihr im Kopf gehen wir durch die Welt und sehen nichts. Sie beschneidet die Aufmerksamkeit.

Die Wunschvorstellung unterscheidet sich vom Willen dadurch, daß sie den Weg nicht kennt. Die Wunschvorstellung ist eine illusionäre Selbsterhöhung des Ich, die wie ein Filter wirkt, der das "Mindere" nicht durchläßt, das Ich daher den Weg zum Ziel nicht betreten läßt. Die Wunschvorstellung äußert sich als Arroganz, dabei ist sie bloß Ignoranz. Damit die Aufmerksamkeit frei wird auf die Wirklichkeit, muß das Ich seine ausschließliche Wertschätzung seines Ideals aufgeben, durch die dieses zur Illusion wird, und es muß sich an die Arbeit machen. Die Wunschvorstellung ist nämlich charakterisiert durch die Bindung der Energien des Ich an ein Ziel bei gleichwertigen Zweifeln an dessen Erreichbarkeit. Das "Ich" schmückt sich mit dem Ziel und blamiert die Außenwelt für dessen Unerreichbarkeit.
 
 




ICHVERLUST - oder: wie man berühmt wird





Wenn z.B. meine Wunschvorstellung mich berühmt sehen möchte, werde ich dieses Ziel nur erreichen, wenn ich es aufgebe, mich zu wichtig zu nehmen und die anderen für meine Fehler verantwortlich zu machen. Ich muß anfangen, etwas zu tun, mit dem die Leute etwas anfangen können. Anstatt darüber zu sinnieren, was mir fehlt, muß ich wahrnehmen, was den Leuten fehlt und das muß ich ihnen geben. Einen Gefallen muß ich ihnen tun, ich muß die Marktlücke schließen, den Widerspruch aufheben, die Harmonie herstellen. So lange mein Interesse an mir klebt, werde ich in Widerspruch stehen zu den anderen, ich werde sie konkurrenzieren und sie werden sich verweigern. Beobachte, unter welchen Bedingungen du dich öffnest und unter welchen du dich verschließt, dann weißt du, was du tun mußt. Du mußt lernen, lieb zu sein zu allem, was dir begegnet. Und doch darfst du dich nicht vergessen, sonst wirst du besessen und gefressen, wie es denen geschieht, die sich fürchten.

Wenn ich aber einmal den Weg erkannt habe, auf dem ich meine Wunschvorstellung, nämlich berühmt zu werden, erreichen kann, kann ich mir erst überlegen, ob das auch das ist, was ich im Leben will. Hier beginnt also meine Freiheit, mit meinem ersten Schritt über die Wunschvorstellung hinaus.
 
 


DIE LIEBE IST DER HIMMEL





Was möchte ich im Leben? Ich werde nicht locker lassen, bis ich herausfinde, was ich will. Ich sehe, daß mir theoretisch alle Möglichkeiten offen stehen, daß ich mich also genausogut für das entscheiden kann, was ich wirklich möchte. Daß ich mich für das entscheide, was ich wirklich will, ist der Wendepunkt, das ist der Weg. Ich kann ihn schon sehen. Aber werde ich wagen, ihn zu gehen? Auf alle Anerkennung verzichten, auf alles verzichten und alles geben für was ich möchte, wirklich alles geben, keine Kompromisse mehr eingehen?

Was mir fehlt ist, daß ich lebe wie einer, der glaubt. Der glaubt, handelt, ohne Erfolg zu erwarten und trotzdem ausdauernd. Er folgt dem Ritual seines Mythos, ohne zu zweifeln, mit Todesgewißheit, perfekt. Wer einem Glauben folgen kann, ohne sich lächerlich vorzukommen, erfährt woran er glaubt, nämlich die Allmacht des Selbst. Wer glaubt, gibt sich nicht auf. Wer sich nicht aufgeben will, muß glauben. Er muß freiwillig alles geben. Damit er glauben lernt, muß er sich im Geben üben. Er muß sich in Situationen begeben, in denen er alles geben muß, weil er sonst keine Wahl hat als den Tod. Der Weg zum Glauben, zur Erkenntnis, führt über die Tat. Es ist nicht so, daß wir uns durch Werke den Himmel verdienen könnten. Der Himmel wird uns geschenkt, aber einen Glauben können wir durch unsere Werke erlangen. Und der Glaube bewirkt, daß wir schließlich, wenn wir ihn haben, alles geben und alles Geben ist die Liebe, die das Unmögliche möglich macht.

Religionsstifter haben deshalb Riten eingeführt, die einen Glauben erzeugen, der das Unmögliche möglich machen soll für die, die bereit sind, sich zu unterwerfen.

Ihr aller Geheimnis ist der Tod, der immer wacht.

Als Mose mit den zehn Geboten vom Berg Sinai herabgestiegen war und seinem Volk die Tafeln überbrachte, auf denen stand: "Du sollst nicht töten", holte er den obersten seiner Priester und Streitkräfte und befahl ihm, alle umzubringen, die den Gott seiner Tafeln mißachteten. Es war beinah die Hälfte seines Volkes, an die dreitausend Mann, an einem Tag. Und ab sofort galt das Gesetz. Das war der Bundesschluß. So liebte dieser Gott sein Volk. So verkündete Mose den Mythos. Dieser Glaube hatte Kraft. Bis heute wirkt sie fort und holt ungeahnte Energien aus den Menschen heraus.

Das ist die Liebe, das Geheimnis, das alle Tore öffnet. Der Weg der Liebe ist ein Weg ohne Kompromisse, ohne sich gehen zu lassen. Liebe ist eine Forderung und trotzdem ist sie keine. Die Liebe ist das Gefühl des Glücks, das uns begleitet, wenn wir tun, was wir wollen. "Alles geben" lautet die Forderung. Aber wer alles gibt, erfüllt nicht mehr eine Forderung, sondern eine Notwendigkeit. Weil er sie sieht, akzeptiert er die Notwendigkeit und nicht nur das: Es ist eine Freude für ihn es zu tun. Er hat alle Langeweile besiegt. Er hat die Fähigkeit erlangt. Er tut, was er will. Er hat seinen Willen gefunden. Er erfährt sich selbst als explodierendes Energiebündel, so etwas wie die Musik, die sich verströmt.

Liebe ist Lust. Liebe ist Hingabe. Aus Liebe stahl Jakob seinem Bruder Esau das Erstgeburtsrecht. In der Liebe vereinen sich die Gegensätze, denn die Liebe nimmt so gern wie sie gibt. In der Liebe vereinigen sich Freiheit und Gehorsam, Anpassung und Kreativität, Offenheit und Entschlossenheit, Planung und Spontaneität, Forderung und Anspruchslosigkeit, Geben und Erfüllung, Unvoreingenommenheit und Meisterschaft, Vertrauen und Selbstvertrauen, Ich und die Welt.

Es gibt also zwei Seiten zu dem Gebot: "Du sollst das Gute tun und das Böse meiden". Die Dialektik liegt darin, daß die Forderung lautet: "Tu, was dir gut tut". Und sonderbarerweise ist das, was uns gut tut, daß wir es wagen, uns völlig zu veräußern. Die Dialektik der Wirklichkeit liegt darin, daß Erfüllung in Veräußerung liegt, im Energieausstrahlen. Es ist also ein Gebot, wie uns immer gesagt worden ist. Man muß etwas erfüllen. Es ist eine Forderung, aber es ist absolut keine Moral.

Wage es, glaube und du kannst es! Andere haben es schon vor dir geschafft. Du wirst schnell lernen. Um ihm gerecht zu werden, mußt Du wissen, daß dein Leben auf dem Spiel steht. Wir müssen unser Leben aufs Spiel setzen, damit wir tun können, was wir wollen. Wenn wir uns bewußt werden, daß wir unser Leben aufs Spiel setzen müssen, weil es ohnehin schon auf dem Spiel steht, wird es uns leichter fallen, all die kleinen Ängste loszuwerden, die uns tagtäglich bedrängen, deren Anlässe aber weit davon entfernt sind, unser Leben zu bedrohen. Umso mehr Ängste wir loswerden, umso mehr können wir tun, was wir wollen. Indem wir unsere Angst überwinden, lernen wir. Es einfach tun, darauf kommt es an, es tun wie die Stars und die Propheten, die dem Ruf folgen, die sich an die Gegebenheiten anpassen, die die Marktlücke finden. Sie folgen nicht der defätistischen Forderung nach "realistischen Kompromissen", sondern ihrer freien Entscheidung für die Annahme der Herausforderung des Lebens, gegenüber der wir uns öffnen oder verschließen können.

Wir können unsere Ventile so einstellen, daß ein größtmöglicher Energiestrom durch uns hindurchfließen, aus uns herausfließen kann. Diese Leistung ist keine Arbeit. Und doch müssen wir, wie die Sklaven angesichts des drohenden Schwerts, unser Leben gestalten, das Beste von uns gehen, damit wir nicht umgebracht werden, allzeit bereit sein. Die Herren unterscheiden sich von den Sklaven nur in einer winzigen Kleinigkeit: Sie unterwerfen sich der Notwendigkeit freiwillig. Den Herren ist es eine Lust, sich zu unterwerfen, den Sklaven ist es eine Pein und das scheidet ihre Welten. Das ist der Spalt zwischen Himmel und Hölle. Er geht quer durch die sozialen Schichten.

Liebe ist Lust, aber auch Furcht. Im Schrecken handeln belastet uns so wenig wie Handeln in Lust. Beides läßt die höchste Energie aus uns hervortreten. Im Augenblick des Schreckens verlieren wir das Gefühl des Unangenehmen, der Entfremdung, der Pflicht, wie wir in Augenblicken der Lust uns selbst vergessen und alles geben. Lust und Schrecken sind eins. Es herrscht das Diktat der Notwendigkeit. Die Freiheit ist keine Frage. Wir handeln unbezweifelt, automatisch und optimal. In der Liebe werden wir ganz und wir verwandeln uns in Kraft.

Aber auch Haß kann zur Kraft führen und Trotz und Rache. Aug um Aug, Zahn um Zahn. Es scheint, jeder Mensch muß zu seiner wirklichen Menschwerdung, zu seinem Glauben, einige Entwicklungsphasen durchmachen. Die Trotzphase, die Angeberphase, die ganze Schule der Schauspielerei und Stimmungsbildung, den Ausdruck der Widersprüche. Dann erst kann er wissen, was Liebe ist. Er muß sich behaupten und er muß sich anpassen.

Ich möchte mich durchsetzen, aber ich muß mich anpassen und ich sehe, daß das Liebe ist, die Aufmerksamkeit erfordert und Glauben. Woher bezieht der Himmel seine Energie? Ich schaffe sie aus dem Nichts des Glaubens an das Höchste,
 
 
 
 
 
 

DER SCHAUSPIELER (25. 7. 79)
 

Erfolgreich
Täuscht der Pigmäe den Elefanten
Spielt ihm den Affen vor
Wird zum Affen
Er gibt seine Menschenvorurteile auf
Übernimmt eine neue Identität
Erweitert seine Kontrolle
Wird zum Falken
Wenn es sein muß
Oder zum Baum
Oder zu Stein
Löst sich in Luft auf
Reist zu den Sternen
Denn Vorstellung ist alles
Nein, die Vorstellung
Ist unser Anschluß
An das Unendliche
Es ist das Gefühl
 
 





DIE KRAFT DER SCHAUSPIELEREI





Die Schauspielerei ist ein Weg der Selbstverwirklichung durch die Auflösung des Ich in der Hingabe an was immer wir lieben. Sie ist ein Weg unsere Aufmerksamkeit wegzulenken von unseren Ängsten, hin auf die Welt, damit wir ihre Wunder zu sehen beginnen. Worauf es ankommt, ist die Freiwilligkeit, daß wir nicht ein Gebot erfüllen, sondern daß wir die Notwendigkeit sehen, uns grundlos und ohne Lohn zu erwarten, hergeben können, ehrlich, ohne Schmäh. Das tut ein "Mann ohne Eigenschaften", der vollkommen prinzipienlos ausführt, was seiner Position entspricht und die Position einnimmt, die ihm entspricht.

Die Pigmäen, z.B., spielen den Elefanten Affen vor, damit sie an sie herankommen und sie erlegen können. Und für die seßhaften Dorfbewohner zeigen sie sich gebildet. Damit sie mit ihnen Handel treiben können, passen sie sich allen Regeln und Riten an und fürchten nicht, sich damit etwas zu vergeben.

Der "Mann ohne Eigenschaften" sieht seine Chance und ergreift sie. Er hat sein Ich aufgegeben, seine Ängste, sein Besserwissen, seine Starrköpfigkeit. Es ist selbstverständlich für ihn, was er tut, denn er tut das Notwendige. Er kennt keine Vorbehalte, denn er sieht das Muster, die Struktur, in die er sich einfügen muß, so daß er am besten paßt.

Wenn ich also jemand einen Rat geben müßte, wie er sein Leben am besten verändern soll, daß er so frei und glücklich wie nur möglich wird, würde ich ihm sagen: Bezwinge deine Ängste und werde ein Schauspieler, nicht ein Theaterschauspieler, sondern ein wirklicher. Hör auf, dich zu wehren gegen die Herausforderung des Lebens. Paß dich nicht nur an, sondern übertriff die Anpassung, übernimm die Führung, dann bekommst du, was du willst. Schau, was die Welt will von dir, gib es ihr und sie gehört dir. Wenn du dein Leben lenken willst, mußt du schneller schwimmen, als der Strom.

Die Rangordnung der Kraft ist eine Rangordnung der Verführung. Wenn die uns umgebenden Mächte uns verführen können, müssen wir ihnen nachlaufen und sie werden uns aussaugen. Hintennach laufen die Sklaven, die unterdrückt werden und ausgesaugt. Voran laufen die Herren ihrer selbst. Sie lieben das Leben und die Welt so sehr, daß es ihnen nicht mehr weh tut, sich anzustrengen. Sie haben den Sinn des Liebesgebots begriffen, daß Liebe nämlich zuvorkommend sein muß und ist, daß unsere Aufmerksamkeit so groß sein muß, daß wir wissen, was wir zu tun haben, bevor es uns jemand sagt.

Der perfekte Schauspieler hat die Wahl. Alle Möglichkeiten des Lebens stehen ihm offen, denn er ist interessiert und aufmerksam, er erkennt, was notwendig ist, was gefragt ist und er tut es, so weit es mit seinen Interessen vereinbar ist. Wie manche politische oder religiöse Führer es wissen, wie sie den Massen Glauben geben können, sind die Schauspieler Menschen, die durch ihre Kraft Glauben erzeugen. Das können wir schon erfahren bei so banalen Dingen wie einem Sprachkurs. Das Erlernen einer fremden Sprache wird viel leichter, wenn wir uns in die Mentalität dieser Sprache hineinleben können. Wenn wir dagegen pflichtgemäß Formeln auswendig lernen, wird es schwer und unsere Fremdsprache wird dazu noch schwer verstanden werden.

Die Gefahr liegt in der Bequemlichkeit, die eigenen Bemühungen nach denen der anderen auszurichten, daß wir uns nicht hinter das stellen, was wir tun und denken: So lange der Durchschnitt der Leute auch nicht besser ist als ich oder sogar noch unter mir liegt, brauch ich mich nicht anstrengen. Und so behalten sie ihr Ich zurück. Sie nehmen sich selber wichtig. Sie werden hochnäsig, denn das Gefühl der eigenen Wichtigkeit ist es, das das dadurch entstehende Schuldgefühl ausgleicht. Das Bewußtsein vom Sich-Gehen-Lassen, der Unzulänglichkeit des eigenen Lebens, dem offenkundig mangelnden Einsatz wollen zu viele lieber verdrängen mit allen möglichen Ausreden. Etwa indem sie Schauspieler als die mißverstehen, die bloß etwas vortäuschen oder indem sie die Schauspielerei als unmoralisch abtun. Aber daß manche getäuscht werden durch Schauspielerei liegt an der Unaufmerksamkeit der Getäuschten, weil ihre Erwartungen, ihre Vorurteile ihre Wahrnehmung behindern. Wenn jemand unaufmerksam ist, weiß er nichts von der Verantwortung für sein Leben und im Extrem wird aus ihm ein Anstaltsfall. Der Unaufmerksame schadet sich selbst. Nicht der Schauspieler ist schuld an der Täuschung, sondern der Getäuschte, das Opfer.

Und doch gibt es so etwas wie falsche Schauspielerei, wie das Märchen vom Aschenbrödel zeigt: Die blutende Ferse im goldenen Schuh zeigt, daß die falsche Herrschaft an der blutenden Wunde ihrer Selbstverstümmelung scheitert. Daß die neidische Schwester sich zurecht schneidet, um zu passen, lohnt sich nicht. Falschheit kommt an den Tag und tut weh. Ein guter Schauspieler verstümmelt sich nicht, er stärkt seine schwachen Stellen und geht einen Weg, der ihm entspricht. Wenn wir irgendwelche gesellschaftliche Werte über unser Wesen, unser Suchen nach Kraft stellen, müssen wir scheitern.

Es ist ein genetischer Code allen Lebens, daß wir nach der höchsten Kraft streben und das Andere interessant finden, weil im Anderen die Quelle unserer Kraft liegt. Schauspieler machen sich dieses Interesse am Anderem zur persönlichen Aufgabe.

Wir alle sind auf die Bühne dieser Welt gestellt und haben keine Wahl, als diese Regel zu beachten und ihr gemäß zu spielen oder einzugehen. Es kommt nur darauf an, daß wir in jeder Situation die Rolle finden, die uns und unserer Umgebung entspricht.

Das Leben verlangt von uns, Marktlücken zu schließen und zwar nicht nur gesellschaftliche, sondern kosmische. Wenn wir unsere Vorstellung von uns selber auf unsere Rolle in der Gesellschaft beschränken, erfassen wir nur einen geringen Teil unserer Möglichkeiten. Unsere Aufmerksamkeit muß sich daher auf alles erstrecken. Und zuletzt müssen wir wissen, daß unsere Schauspielerei ein Trick ist, mit dem wir uns selbst überlisten, aus uns herauszugehen und die Herausforderung der Welt anzunehmen. Dann werden wir schließlich durch unsere Aufmerksamkeit die Fähigkeit erlangen, das anzuziehen, was wir brauchen, dort zu erscheinen, wo wir erwünscht sind, immer gerade dann, wann wir erwünscht sind und so wie wir erwünscht sind: als das perfekte Komplement zur Welt.
 
 






DIE HERAUSFORDERUNG DES LEBENS





Die Menschheit bewegt sich nicht zwischen gut und böse. Gut und böse sind nur Vorstellungen und Kategorien einer Gruppe von Menschen, die sich an das Wesentliche nicht heranwagen, die vorher stehen bleiben und sich an Konventionen halten, die damit ihr Leben erleichtern, die aber ihre Möglichkeiten einschränken. Die Menschheit bewegt sich wie alles in der Welt zwischen Leben und Tod, Werden und Vergehen, Blühen und Welken, Frucht bringen oder Verdorren. Es gibt keine Moral in dem System, es gibt nur Schönheit. Es geht darum, die schönste Blüte zu sein und zu wissen: Auch 'böse" Blumen sind schön, auch sie haben ihre Lebensberechtigung, weil sie schön sind, weil sie wunderbar sind, weil sie einen Weg gefunden haben sich einen Platz zu schaffen im kosmischen Angebot- und Nachfragespiel. Auch das- Böse kann nur Schwächen angreifen und der Angriff auf die Schwächen ist ein zentrales Lebensgesetz, ein Kraftgesetz: Die Schwächen sind der Angriffspunkt des Todes.

Die meisten Menschen weichen der Herausforderung zur ständigen Aufmerksamkeit aus, indem sie Glaubenswahrheiten anhängen. Sie bedienen sich einer geistigen Krücke, weil ihnen beigebracht worden ist an sich zu zweifeln. Aber das Leben, die Welt als Herausforderung anzunehmen, ist der Sinn des Lebens. Und alle Welt schaut der Vorstellung zu, die wir geben. Das alte "Jemand wacht über dich" ist wahr. Das Leben ist nichts Geheimes, sondern etwas öffentliches. Der Kosmos, alles hat sein Interesse an uns. Alles stellt Anforderungen und alles bringt Gefahren. Der Tod versucht, in unsere Schwächen einzuhaken und wir haken an den schwachen Punkten unserer Umgebung ein, um uns zu. Stärken. Wir nützen die "Markt"-Lücken.

Wer die Welt, das Leben als Herausforderung begreift, wer daran denkt, daß alles um ihn herum interessiert ist daran, daß er so gut wie möglich aussieht auf den verschiedenen Ebenen seiner Selbstverwirklichung, sowohl indem es Schwächen bietet, als auch seine Schwächen angreift, wer die Herausforderung annimmt, sich optimal anpaßt an die Kräfte innen und außen, der hat viel zu geben, und wer die Herausforderung trotzig ablehnt, der verfällt.

Es gibt nur ein Erkennungsmerkmal für richtig und falsch: Das, was gut tut. Wir können es nicht in Büchern nachschlagen. Niemand kann es uns sagen, aber wir spüren es in jeder Situation und wir spüren die Notwendigkeit zur Veränderung. Die Wege des Herzens sind die einzigen, die es wert. sind gegangen zu werden. Wir wissen, was gut tut. Wir wissen es genauso wie ein Tiger weiß, wann er hungrig ist, wann er Sehnsucht hat nach Artgenossen und wann er einfach umherläuft, um die Welt zu bestaunen.

Das Leben formt uns wie es einen Baum formt, das ist unsere Determination. Unsere Freiheit besteht darin, das Spiel mitzuspielen und gut zu spielen. Auf die Ablehnung der Herausforderung des Lebens steht die Todesstrafe und fast alle Artgenossen erleiden sie allzufrüh. Weil etwas sie hemmt, weil der ständige Widerstand der Welt, der die Natur ihrer Herausforderung ist, das Interesse der Menschen an ihrer Selbsterhaltung übersteigt.

Die Herausforderung des Lebens fordert einen Kampf. Deshalb heißen auch die, die zum Höchsten vorstoßen, Krieger, denn sie sind sich des Kampfes bewußt. Krieger sind keine Defätisten. Sie sind Menschen, die die Herausforderung des Lebens bewußt angenommen haben, die keine Chance ungenützt lassen, die wissen, daß sie im Kampf sterben und sich nichts vorzuwerfen haben werden.

Oft. sind aufgrund eines Mißverständnisses dieses Zusammenhangs Religionen dazu benützt worden, "Glaubenskriege" zu führen. Aber der Kampf ,um den es geht, ist der Kampf um Kraft, der Kampf gegen die eigenen Schwächen, aber nicht gegen sich selbst, sondern dafür, daß die Schwächen mit Kraft erfüllt werden durch eine Steigerung der Aufmerksamkeit. So wird man ein Krieger. Früher oder später im Leben werden wir uns der Notwendigkeit bewußt- uns zu entscheiden, ob wir die Verantwortung für unser Leben übernehmen wollen oder uns verweigern.

Früher oder später stehen wir an der Schwelle, wo wir die Wahl haben zwischen gewöhnlichem Versagen, Wahnsinn, mittelmäßiger Lebensbewältigung, einer Karriere oder dem Weg zum Höchsten, zur Selbstverwirklichung, zur Freiheit. Wir können die Herausforderung des Lebens annehmen und kämpfen und schön und gut werden, Energie versprühen, die Freiheit erlangen, oder wir können die Herausforderung des Lebens trotzend ablehnen und zusehen, wie wir verwesen.

Der Krieger nimmt die Herausforderungen an, indem er seine Schranken überwindet, wo er sie antrifft, ständig über sich hinauswächst, die Aufgaben erledigt, denen er sich stellt, und sich immer neuen stellt, indem er die Ansprüche seines Körpers und die Ansprüche seiner Umwelt aufmerksam verfolgt und sie zur Deckung bringt, indem er nicht mehr nimmt, als er braucht, sich aber auch nichts, vorenthält. Er gibt alles von seiner Aufmerksamkeit. Alles interessiert ihn und so sieht er die Lücken, die er mit sich füllen kann, nicht nur die sozialen Marktlücken, sondern alle Kräfte und Kraftvakua einschließlich seiner eigenen. Und so steigert er seine Kraft, indem er von den Kräften lernt, wie sie zu gebrauchen sind. Er folgt den Gesetzen der Kraft.

Viele weise Menschen haben geschrieben über die Gesetze der Kraft und doch kann man sie nicht lernen durch Lesen, sondern nur durch eigene Erfahrung, durch Übung. Übung ist nicht ein Sammeln von Verdiensten durch "Gutes Tun". Das hieße, die Sache nicht ernst nehmen. Die Herausforderung des Lebens fordert den ganzen Einsatz, die uneingeschränkte Aufmerksamkeit auf den Weg in jeder Minute.

Die Zeichen, die uns den Weg führen, erscheinen in unseren Gefühlen. Mit unseren Gefühlen wissen wir. Wir wissen es genau, wenn wir uns gehen lassen und wir wissen genau, woher unsere Ängste kommen, die uns hindern und wir wissen, was wir von ihnen zu halten haben. Wir wissen genau, worauf wir Rücksicht nehmen und ob diese Rücksicht eine Ausrede ist oder ein wirklich unüberwindliches Machtfaktum. Wir wissen genau, daß wir lernen müssen, der Angst ins Gesicht zu sehen, wenn wir die Gespenster überwinden wollen, die uns schrecken, denn es sind nur Phantome, die alle ihre Gesetzmäßigkeiten haben, ihre schwachen Stellen. Und obwohl sie es so genau wissen, schieben die meisten Menschen die Verantwortung beiseite und folgen den Konventionen, den Forderungen ihrer Eltern, den Götzen der Gesellschaft. Daß schon vor ihnen so viele Menschen ein so durchschnittliches Leben gut verbracht haben, ist ihnen Garantie und Entschuldigung. Sie fürchten die Freiheit und bevorzugen die "Fleischtöpfe Ägyptens". Auf das totale Leben wollen sie sich lieber nicht einlassen.

Manche andere sehen die Verantwortung an der Schwelle ihrer Entscheidung, aber sie erscheint ihnen allzugroß und so flüchten sie in den Wahnsinn, ins Krankenhaus, ins Gefängnis oder direkt in den Tod.

"Wer sucht, der findet". Den Wendepunkt bildet das Erlebnis der Kraft, daß unsere Interessen unsere Aufmerksamkeit so gestärkt haben, daß wir entdecken, wie unsere persönliche Kraft das anzieht, was wir brauchen. Die Herausforderung des Lebens ist schrecklich, so lange wir uns von ihr schrecken lassen. Bei dem, der die Herausforderung annimmt, wird der Schrecken durch die Bewunderung aufgewogen und die Bewunderung wird dann zum Anlaß, daß er weiter geht, fort schreitet auf dem Weg.

Wir alle sind belastet durch das Erziehungsprogramm, das uns eingeprägt ist, und das viele, wie es scheint, von vornherein zu Verlierern macht, wenn sie nicht doch noch aufhören, sich als Opfer zu betrachten, wenn sie sich nicht doch zur Entscheidung durchringen können, die Verantwortung für ihr Leben selber zu übernehmen und den Kampf aufzunehmen. Diese Benachteiligung hat jedoch nichts mit Lebensstandard oder Bildung zu tun. Viel eher ist das westliche Karrierespiel das Hindernis, denn das Glück verlangt gerade die Relativierung aller Werte, das Aufgeben der Sucht nach Erfolg; das Glück liegt nicht im Erfolg, sondern im Weg und so hilft uns alle Berechnung nichts, wenn uns unsere Maßnahmen selber keinen Spaß machen. Spaß macht der volle Einsatz, die volle Aufmerksamkeit. Jede Zurückhaltung aus Bequemlichkeit oder Angst vor der Anstrengung der Verantwortung führt zur Frustration, vermindert die Lebenskraft, bringt uns unserem Tod einen Schritt näher, indem unsere Unaufmerksamkeit den Mächten einen Ansatzpunkt gibt, die ihre Kraft aus uns beziehen, gleich ob das unsere eigenen Vorstellungen sind, andere Menschen, Mikro- oder Makroorganismen. Das Glück liegt einzig in der Annahme der Herausforderung des Lebens.
 
 
 
 

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