WER IST HIER DER HERR?












ICH BIN WAS?
 

Wenn ich einmal weiß
Daß ich weder mehr noch weniger bin
Als das Wasser des Meeres
Als die Luft, die ich atme
Als der Boden, auf dem ich gehe
Nicht mehr und nicht weniger
Als Baum oder Gras
Als das Hühnchen, das ich aß

Sobald ich einmal weiß
Daß es nur ein Universum gibt
In dem ich nichts bin
Als ein Körnchen Staub

Dann kann ich anfangen zu verändern
Dem Staub eine Form geben
Die mir gefällt
Denn ich werde es lieben zu sein
Was ich bin
Und ich werde die Liebe haben
Von Gott und von der Welt
 

18. 4. 1979
 

Ich werde dann nicht mehr urteilen und verurteilen
Ich werde auf mich hören und die anderen sehen
Ich werde nicht mehr an mir zweifeln
Ich werde wissen, was ich mag
Ich werde nicht mehr wünschen und träumen, sondern wollen und es tun

Ich werde wissen, daß jeder erhält, wonach er verlangt
Ich werde daher lieben
Ich werde gut sein
Ich werde mein Leben meistern
Ich werde viel Liebe zu geben haben
Die Welt wird ihre Freude an mir haben und ich an ihr
 
 
 
 
 
 

MENSCHEN, TIERE UND DER BIBLISCHE GOTT
 
 

Viele religiöse Menschen rechtfertigen ihren religiösen Glauben mit einem, wie sie glauben, fundamentalen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Sie begründen dies auf den biblischen Spruch "Macht euch die Erde untertan". Sie bedenken nicht, daß die Erlaubnis zu töten und zu versklaven, die aus dem Bibelwort hervorgeht, nur ein universales Gesetz ausdrückt, das gar keiner Rechtfertigung bedarf: Wie etwa würde der Spruch in einer Bibel einer Sorte von Bakterien aussehen, die sich auf das Fressen von Menschen spezialisiert hat? Ein religiöser Mensch könnte antworten, diese Bakterien würden von Gott ausgesandt, um die Menschen zu prüfen. Und da hat er recht, denn alle biologischen Arten wie auch alle anderen äußeren Umstände "dienen" unter anderem auch dazu, alle Arten zu prüfen. So geht die Evolution vor sich, so entwickeln sich Neuerungen und zur selben Zeit bestehen manche Individuen oder ganze Arten die Prüfung nicht und sterben aus. Doch das Leben geht weiter, das Wesensunterschiede nicht kennt, weder den Unterschied von Mensch und Erde, noch den Unterschied von gut und böse.

Wer will so überheblich sein, sich zu etwas wesentlich Höherem zu machen, als er ist? "Staub bist du und zu Staub wirst du zurückkehren", das ist das ewige Leben. Trotz dieser Eindeutigkeit der Bibel glauben Bibelgläubige oft genau das Gegenteil: Sie glauben, der Mensch sei von Gott persönlich über die Schöpfung erhoben worden und ausgestattet worden mit einer "Seele", die dem Tier fehle. Mit diesem Glauben rechtfertigen sie die Versklavung und Tötung von Tieren und die Ausbeutung dieses Planeten. Sie bemerken nicht, daß dieser Glaube der Ausdruck eines Schuldgefühls ist, das mit ihrer eigenen Versklavung beginnt.

Es gibt noch heute Menschen, die glauben, nur der weißen Rasse komme vollwertiges Menschsein zu. Aber auch manche Steinzeitstämme, die in Abgeschiedenheit lebten, kannten nur sich als "wir", andere Menschen, die sie gelegentlich trafen, bedeuteten ihnen nicht mehr als der Rest der Natur - allerdings dachten die sich selbst nicht so verschieden von den Tieren wie die heutigen Rassisten. Die Entfremdung und Abstraktion der Menschen von der Natur entwickelte sich mit zunehmender Massierung menschlicher Ansiedlungen, während gleichzeitig der Begriff "Mensch" auf mehr und mehr Stämme und Völker , dann auf die ganze Rasse und schließlich die Gattung ausgedehnt wurde. Der nächste Schritt ist wieder die Kommunikation mit den anderen Formen des Lebens, die Vollendung des Zyklus, in dem die Entfremdung sich selbst überwindet und die Menschen erneut - wie im goldenen Zeitalter, in dem alle Krieger waren - eine unmittelbare Beziehung zur Natur haben und auch wenn sie nicht in der Natur (= Wildnis) leben, sich doch wieder als Teil des großen Lebensorganismus fühlen. Die Wissenschaften sind weit in diesen Bereich vorgedrungen und umso weiter man vordringt, umso mehr verschwinden die Begrenzungen, umso mehr verschwinden die "Wesensunterschiede". Früher hat man es für eine religiöse Wahrheit gehalten, daß die Erde der Mittelpunkt des Universums sei und die Sonne um die Erde kreise. Heute geben Affen Fernsehinterviews, wie die Orang-Utangs von Stanford. Die Menschen entwickeln Geräte und sie schreiben Bücher, aber auch die Bienen produzieren Kunststoff, verarbeiten ihre Nahrung und kommunizieren miteinander - wer würde deshalb glauben, die Bienen hätten eine "Seele"? Niemand glaubt, die Bienen verhielten sich nach einer speziell ihnen geoffenbarten Wahrheit und doch ist die Wahrheit der Bienen so offenbar.

Die Menschen haben früher die Geschichte aufgezeichnet, indem sie Knoten in eine Schnur knüpften, Hatten sie damals auch schon eine Seele? Anthropologen können nachweisen, daß der religiöse Glaube mit seinen Ritualen und seiner Ideologie erstmals auftaucht, wo Menschen sich irgendwo niederlassen, Tiere züchten und Ackerbau betreiben. Ist das der Zeitpunkt der Menschwerdung?

Die Lebensweise der Pigmäen erscheint uns "Zivilisierten" von der Lebensweise anderer Tiere des Urwald nicht wesentlich verschieden, nur spezialisiert, wie auch die anderen Tiere auf ihre Art spezialisiert sind. Wer wagte es aber zu behaupten, die Pigmäen seien keine Menschen? Ich kann mir kein höheres Lob der Pigmäen vorstellen als das Wort Jesu: "Sie säen nicht, sie ernten nicht und doch ernährt unser himmlischer Vater sie alle." Doch die Pigmäen sind vom Aussterben bedroht, da ihre Lebensgrundlage von den zivilisierten Menschen zerstört wird, die ihr Handeln mit dem Bibelwort rechtfertigen: Macht euch die Erde untertan. Nur wenige lamentieren darüber, nur einige Anthropologen, wie die Ornithologen gewisse Vogelarten vom Aussterben bewahren wollen. Wird man vielleicht Naturparks schaffen, off limits für Außenstehende, um die Pigmäen zu konservieren und dann ein jährliches Quotum zum Abschuß freigeben, falls sie sich zu wohl fühlen sollten? Wie weit wird die moderne Rationalität und "Verantwortung" gehen? Oder man vertritt die Auffassung, man solle die "natürliche" Entwicklung, die zum Aussterben der Pigmäen führt, nicht beeinflussen. Doch macht man sich da nicht schuldig? Müßten die Christen da nicht was tun? Wie weit kann man gehen in der Beeinflussung anderer? Wo bleibt die "Verantwortung"? Die Frage ist, wessen Verantwortung vor wem oder wer wen zu wessen Gunsten beeinflußt. Soll man die Pigmäen beeinflussen, damit sie einsehen, daß ihre Lebensweise keine Zukunft mehr hat oder soll man die anderen beeinflussen, damit sie die Pigmäen in Ruhe lassen? Die Missionare müssen sich heute im Klaren darüber sein, daß ihre Mission in so einem Fall todbringend ist.

Die Christianisierung der Pigmäen kommt ihrer Austreibung aus dem Paradies gleich. Wenn man ihnen die Unterscheidung zwischen gut und böse bringt und sie mit dem Erwerb von Gütern lockt, vollführt man die Arbeit der Schlange im Paradies. Eine nachkolonialistische Kirche - sofern das nicht ein Widerspruch in sich selber ist - wird an diesem Problem zu arbeiten haben. Sie wird ihre gesamte Ideologie aufgeben müssen. Sie wird sich selber aufgeben müssen, denn ohne die Unterscheidung zwischen gut und böse wird die Kirche als Institution nicht leben können. Nur die Propheten werden erhalten bleiben, um aufzutreten, wenn Menschen von ihrem Weg abkommen und eine Ideologie entwickeln, um ihre Versklavtheit zu rechtfertigen.

Die Propheten kommen zur Vergebung der Sünden, die darin bestehen sich nicht wohl zu fühlen, entfremdet zu sein, sich selbst vergessen zu haben. Deshalb sagen die Propheten: "Kehrt in euch". Die christlichen Missionare jedoch sagen: "Kehrt zu uns'". Das hat Jesus an den Pharisäern kritisiert: Sie machten nur Proselyten, die dann schlimmer seien, als sie selber. Das Wort Jesu kümmerte die Missionare wenig. Es ging um sie selber, um ihrer selbst willen trieben sie die Missionierung voran, um sich selber zu rechtfertigen und sich Untertanen zu schaffen.

"Die heutige christliche Mission will sich doch keine Untertanen mehr schaffen", wird man einwenden, "man will doch nur helfen". Man vergißt jedoch, daß unsere Sklavengesellschaft immer noch auf christlich-jüdischen Ideologien beruht und die christliche Mission daher, wenn auch ungewollt und unbewußt, die Versklavung ideologisch vorbereitet, indem sie die Vertreibung aus dem Paradies vornimmt. Weil sie Menschen zu etwas anderem zu bekehren sucht als sich selber, entfremdet sie. Ein Zeichen dafür ist die Tatsache, daß die heutigen Missionare schon lange nicht mehr von den Missionierten finanziert werden, wie noch die Apostel, sondern von den Zuhausegebliebenen. Es geht nicht um die Interessen der Missionierten, sondern um die der Auftraggeber.

Hierzulande haben die Menschen noch ein starkes Bedürfnis nach christlicher oder anderer ideologischer Rechtfertigung ihrer Lage. Niemand gibt gern zu, daß er eine unbedeutende Figur ist im Spiel von anderen, insbesondere so lange ein Ausweg aus dieser Situation nicht abzusehen ist. Das Selbstvertrauen wird durch mangelnde Chancen erheblich eingeschränkt. Das ist die Situation, in der man gern überheblich wird, damit man sich selbst und andere über die eigene Lage täuschen kann, um dadurch Vorteile zu erlangen. Man baut sich eine Ideologie auf, die einen zu etwas Besonderem macht, indem man alles andere abwertet. So dachte man die Erde als Mittelpunkt der Welt. So dachte man das Christentum als den einzig richtigen Glauben, oder den Sozialismus. So dachte man den Menschen als wesentlich vom Tier verschieden. So dachte man das Ich als berufen das Es zu unterdrücken.
 
 





WER PASST AUF DIE AUFPASSER AUF?






Manche Menschen glauben, für andere verantwortlich zu sein. Sie glauben, sich selber Beschränkungen auferlegen zu müssen, damit sie auch anderen diese Beschränkungen eintrichtern können. Sie geben vor, durch diese Beschränkungen glücklich zu sein. Und tatsächlich sind Rituale, wenn man sie lang genug "diszipliniert" ausübt, geeignet die Menschen zu beruhigen und ihre Träume vergessen zu lassen.

"Verantwortung" geht von der Erfahrung aus, daß das Überleben wichtiger ist als das Leben. Die Menschen sind äußerst anpassungsfähig, sogar in Ketten können sie jahrelang leben und unter Zwangsarbeit. Unter solchen Bedingungen entsteht "Verantwortung" und der dazugehörige ideologische Überbau. "Verantwortung" geht aus von der Anerkennung der bestehenden Machtverhältnisse - aus denen auszubrechen Tod bedeuten würde - sogar wenn das Überleben unter diesen Bedingungen nur das Überleben von Leichen ist, Leben ohne Leben. Viele Tiere gehen in einer derartigen Situation ein, da sie Ideologie und Verantwortung nicht kennen. "Verantwortung" heißt, von einer grundsätzlichen Dummheit oder Bosheit der Menschen ausgehen, vom Mißtrauen in ihre natürlichen Fähigkeiten.

Tatsächlich ist "Verantwortung" die Verantwortung denen gegenüber, die daran interessiert sind, das Leben so trist zu halten wie es ist, weil sie daraus materielle Vorteile gewinnen. Die Christen sprechen nun von "Verantwortung" gegenüber "Gott". Weiß Gott, wie sie auf die Idee kommen, sicher nicht durch Jesus. Der sagte nämlich: "Nicht jeder, der 'Herr, Herr' zu mir sagt, wird ins Himmelreich eingehen" und er sagte auch: "Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erfrischen". Nie taucht der Gedanke der Verantwortung auf, nur der der Liebe. Die Apostel gingen aus, um die frohe Botschaft zu verkünden von dem Himmel, den sie erlebt haben. Sie waren getrieben von ihrer Freude, die sie nicht für sich behalten konnten, und nicht weil sie für das Seelenheil der Heiden fürchteten, nicht aus "Verantwortungsbewußtsein". Jesus ist nicht gekommen. Beschränkungen zu bringen, sondern Befreiung, doch die Stärke seiner Botschaft machte es für spätere Machthaber, die an der Aufrechterhaltung der Verhältnisse interessiert waren, notwendig, der christlichen Freiheit eine Ideologie zu verpassen, aus "Verantwortung", für sich selber natürlich. Ja die Anziehungskraft des Lebens Jesu war es, die den Kündern des Evangeliums eine Macht gab, die sie in Versuchung führte, sie in ihrem eigenen Interesse zu benutzen. So wurde die Ideologie geboren und aus dem Christentum wurde eine Weltmacht aus "Verantwortung".

Heute lassen sich die Menschen nicht mehr so leicht für dumm verkaufen, weil es ihnen endlich besser geht und sie sich daher aufmucken getrauen. Und sie werden richtig aufsässig werden, wenn die "Verantwortlichen" nicht endlich von ihrer "Verantwortung" lassen. Wer sind denn diese "Verantwortlichen" eigentlich, daß sie sich für so gescheit und der allgemeinen Dummheit enthoben glauben? Nichtse sind es, die ihre Leblosigkeit durch Sichaufspielen übertönen müssen. Wenn sie sich selber rühren könnten, hätten sie es längst aufgegeben, anderen das Bewegen zu verbieten, denn dann wären sie dazu zu beschäftigt.

"Aus tiefer Sorge" ist die totale Verkehrung des Evangeliums. Die sich sorgen sind die, die Verhältnisse schaffen, die zur Sorge Anlaß geben. Die "Verantwortlichen" sind die Propagandisten ihres eigenen Todes. Dieser Tod bei lebendigem Leibe nämlich ist es, der der Vertreibung aus dem Paradies folgte. "Verantwortung" ist der Versuch, den eigenen Zustand, der nicht befriedigte, dadurch zu rechtfertigen, daß man andere in seine eigene Hölle hineinzieht.

Die, die andere überzeugen wollen, sind selbst nicht überzeugt. Jesus legte keinen Wert darauf zu überzeugen. Als Boten des Johannes ihn fragte, ob er der Messias sei, sagte er nur: "Sagt ihm, was ihr seht". Hätte Jesus "Verantwortung" gekannt, hätte er wohl seine Theorien aufgeschrieben, damit es darüber später nicht zu Streitereien kommt. Hätte er "Verantwortung" gekannt, so hätte er sich den Unterdrückern zugeordnet, um damit seine "Lehre" besser verbreiten zu können. Nur der Hohepriester war verantwortlich, als er sagte, es sei wohl besser, daß ein Mensch stürbe, als daß das ganze Volk zugrunde gehe. So glaubte er den Unverantwortlichen loszuwerden und seine Botschaft, die frohe Botschaft, die Blinde sehen machte und Lahme gehen. Die Vertreter der offiziellen Religion waren immer schon "verantwortlich", deshalb haben sie immer schon die Propheten umbringen lassen. Die "Unverantwortlichkeit" aber ist das, was die Botschaft Jesu zur frohen Botschaft macht.

Warum trinken so viele Menschen Alkohol, warum gebrauchen sie diese Beruhigungspillen, die ihre Hausärzte ihnen verschreiben? Weil sie die Verantwortung auf chemische Weise loswerden wollen, die sie niederdrückt mit ihrer Last. Warum wenden Menschen sich Religionen zu? Warum gehen sie zum Psychotherapeuten? Weil sie die Verantwortung abgeben möchten, die sie bedrückt. Die "Verantwortung" ist das Anderen-Gefallen-Wollen, das Placebo-Prinzip. Die Menschen bei uns sind belastet von der "Verantwortung", die ihnen von der Tradition, insbesondere der christlichen aufgeladen worden ist und die ihnen verbietet, aus sich herauszugehen, die ihnen verbietet, sie selber zu sein, die ihnen letztlich verbietet, zu lieben. Das Christentum hat die Liebe zu etwas Schmutzigem gemacht. Die "Verantwortung" hat die Schuld über die Menschen gebracht, dieselbe Schuld, die die Menschen vor Jesus quälte und von der seine Botschaft befreit hat. Die Kirche hat die Schuld wieder zurückgeholt, weil sie ein wichtiges Machtinstrument ist.

Als Jesus Maria und Martha besuchte, unterhielt er sich gut mit Maria, während Martha in der Küche arbeitete. Nach einer Weile beschwerte sich Martha, daß sie arbeiten müsse, während Maria sich vergnügen könne, aber Jesus sagte ihr nur: "Maria hat sich den besseren Teil ausgesucht". Zu einer anderen Gelegenheit, als Jesus gerade mit Freunden zusammen war und seine Mutter und seine Brüder gemeldet wurden, sagte er: Na und? Meine Freunde sind mir Mutter und Brüder. Den Exegeten sind solche Szenen immer schwer im Magen gelegen. Sie konnten sie nicht recht einfügen in ihr System von Verantwortung und Schuld.

Wer frei sein will, wer zu sich selber kommen will, muß zuerst das ihm eingebläute "Verantwortungsbewußtsein" abschütteln. Kein Verantwortungsbewußter kann lieben, denn Liebe setzt voraus, daß das eigene Interesse im Vordergrund steht, daß du nicht tust, was ein anderer will, sondern daß du das tust, was du zu tun liebst. Wenn du das tust und es jemand tust, der es liebt, daß du es ihm tust, dann bist du zur wahren Liebe vorgestoßen! Die, die etwas tun aus "Verantwortung" und das dann Liebe nennen, belügen sich selbst und die anderen. Das Gefühl, das sie dabei haben, und das sie Liebe nennen, heißt: Ach wie bin ich doch gut! "Verantwortung" ist Verlogenheit. Verleugne deine Interessen daher nicht, schüttle die "Verantwortung" ab. Dann wirst du Liebe finden und den Himmel. Kannst du die Zeichen sehen?

"Verantwortung" ist ein Begriff der Sklavengesellschaft. Es gäbe nichts einzuwenden gegen das Wort, wenn es bedeuten würde: Antwort, Reaktion, Resonanz, Sensibilität, Offenheit allen Wesen, der Welt gegenüber, denn das sind die Voraussetzungen der Selbstverwirklichung. In Aufmerksamkeit und Offenheit gibt es keine Ideologie, darin liegt die Freiheit, die richtige Antwort zur rechten Zeit zu geben. Die Antwort geht jedoch nicht an ein beurteilendes Höheres, sondern an das gegenwärtige Gegenüber, an die zu bewältigende Situation. Es gibt und braucht keinen Vermittler, es braucht nur dich und die Welt. So entscheidet sich dein Schicksal in jedem Augenblick.

Wer fürchtet, das Ende der "Verantwortung" könnte Mord und Totschlag bringen, muß annehmen, daß es von Natur aus Spaß mache "Böses" zu tun, daß Gott den Teufel erschaffen habe. Er muß sich schuldig fühlen, um diese Angst zu haben. Wer könnte Spaß haben an Unterdrückung als ein Unterdrückter. Der Sklave ist dem Herrn verantwortlich, aber der Herr ist auch ein Sklave, geplagt von dem Vorurteil, er müsse mehr haben als andere. Das Vorurteil hat er nicht aus sich, sondern von den Anderen, deren Sklave er ist, der Sklave seiner Götzen. Wenn du dich von anderen richten läßt, betest du einen Götzen an, erhebst du ihn zum Herrn über dich. Doch niemand kann zwei Herren dienen, du verurteilst dich selbst - zur Hölle.

Ein Mensch, der sich selbst verwirklicht, ein echter Herr, wird niemand unterdrücken, höchstens wird er die Dienste jener annehmen, die sich an ihm aufrichten wollen. Und er wird ihnen geben, wonach sie verlangen. "Verantwortung" führt zur Verurteilung, das ist gewiß, du verurteilst dich selbst. "Unverantwortlichkeit" ist nicht Lieblosigkeit oder Rücksichtslosigkeit, wie die "Verantwortlichen" meinen, da sie sich selber nicht trauen. "Unverantwortlichkeit" ist Liebe, Vertrauen in den einzigen Gott, dich. Und die Liebe, die von dir ausgeht, ist nicht Egoismus, sondern das Gegenteil: Ichlosigkeit: Wenn du ein vorurteilsbeladenes Ich, das sich ständig vor den Andern zu verantworten sucht, immer vor den Andern gut dastehen will, wenn du dieses Ich aufgegeben hast, dann hast du Liebe gefunden, dann hast du aufgehört, entfremdet zu sein, dann bist du nicht mehr aufgespalten, dann bist du eins mit dir und mit der Welt. Du folgst deinen Gefühlen anstatt den Urteilen anderer. Du wirst dich selber verschenken, dich aufgeben, dich verwirklichen, indem du der Botschaft deines "himmlischen Vaters" folgst. Aus dir herausgehend wird sich das Innere nach Außen kehren, sich verschwendend als Angebot für die Welt. Die Welt wird Freude an dir haben und du an ihr.
 
 






RATIONALITAT UND LIEBE






"Liebe ist die Antwort", kannst du von allen Seiten hören und du spürst, es stimmt, doch in deiner Umgebung siehst du nicht viel davon. Erfolg und Liebe siehst du separiert, Vernunft und Liebe in Gegensatz. Unsere Welt ist heute sehr rational. "Rationalisierung" ist das Stichwort. Rationalisierung ist Vereinfachung, die natürlich Komplexifizierung mit sich bringt. "Rationalisierung" heißen auch die Ausreden.

Die Menschen entwickeln viele Ausreden, weil sie sich recht oft rechtfertigen müssen vor sich selber und anderen. Sie entwickeln ganze Systeme von Ausreden, Rechtfertigungen ihrer Lage, die oft beschissen ist. Rationalisierungen sind Rechtfertigungen der Widersprüche zwischen Realität und Phantasie. Der Fuchs, dem die Trauben zu hoch hängen, sagt: "Die sind mir zu sauer". Der Widerspruch kann tragisch werden, wenn die Realität so schreckenerregend ist, daß Menschen ihrer Phantasie verbieten müssen, ans Licht zu kommen, weil sie um ihr Überleben fürchten. Unter Umständen müssen Menschen so weit gehen in ihrer Selbst-Verachtung, daß sie ihre Liebschaften heimlich pflegen oder sich nicht einmal das trauen und hassen, was sie lieben.

"Vernunft" steckt hinter solchen Verhältnissen, denn Vernunftgebilde sind die Ideologien, die Verhältnisse von Unterdrückung rechtfertigen. Durch intellektuelle Systeme werden unendlich komplexe Vorgänge auf eine Ursache zurückgeführt, auf die Menschen ihre Schuldgefühle projizieren können. So ermöglicht die Ideologie das Überleben unter Verhältnissen, die ein Tier längst hätten eingehen lassen.

Die Ideologie zähmt die menschlichen Antriebe, wenn die Tatsachen furchterregend sind. Die Vernunft ist das Kommunikationsorgan des Bauches (Brecht, Me-ti). Sie muß sich nach den Erwartungen anderer richten und die bestehende Unterordnung vor sich selber rechtfertigen, indem sie andere "verantwortlich" macht. Die Vernunft sagt: "Das ist wegen dem und dem". Die Vernunft urteilt und verleugnet dabei die Tatsache, daß nur abstrakt mathematische Verhältnisse auf übersehbar einfache Beziehungen beruhen. Alle nichtabstrakten Überlegungen der Vernunft können nur mit Wahrscheinlichkeiten rechnen und nicht selten erreichen sie das Gegenteil dessen, was sie erreichen wollen. Die Mythen erzählen davon, wie ihr Schicksal unerbittlich die erreicht, die ihm entfliehen wollen. Auch z.B. das Aufstellen von Armeen, das immer mit dem Interesse nach Sicherheit begründet wird, hat bis in die Gegenwart herein immer zu höchster Unsicherheit geführt. Die Revolutionen haben die Unterdrückung nicht beseitigt. Totale Planung ist so lange der totale Irrsinn, so lange nicht jeder Einzelne in jedem Moment in dem Plan enthalten ist.

Im persönlichen Bereich ist die Vernunft ein Schaltkreis des Hirns, eine zusätzliche Möglichkeit oder Funktion des Körpers, die die Chance des Überlebens erhöht. Als solche ist die Vernunft auch kein Problem. Zu dem wird sie erst, wenn die Verhältnisse problematisch sind und die Vernunft dem Menschen verbieten muß, sich zu äußern. In dieser Situation entsteht der Konflikt "Ich" : "Es", den Freud beschrieben hat. In dieser Situation kommt es zur "Entfremdung". Wir alle kennen den Zustand.
 

Die Vernunft als Tyrann
treibt uns zu Leblosigkeit.
Fleischliche Roboter sind wir dann
im Dienste einer bösen Macht
 

Das Böse ist die Unterdrückung der Widersprüche, die die äußeren Bedingungen mit sich bringen. Die Vernunft registriert solche Verhältnisse und wendet sie im eigenen Bereich an, indem sie Antriebe unterdrückt oder teilweise umlenkt. Der Konflikt wird durch die Vernunft von außen nach innen verschleppt. Die Vernunft wird zum verlängerten Arm der Außenwelt. Die Widersprüche sitzen nun im Hirn, in dem auch die unterdrückten Antriebe, Instinkte, Phantasien sich auf verschiedenste Weise bemerkbar machen - als böse Geister - um die Vernunft zur Einsicht zu bringen. Das ist es, was jeder als seinen eigenen seelischen Konflikt kennt, der den ganzen Körper in Mitleidenschaft zieht.

Der Sitz der Vernunft, das Hirn, ist ein Organ des Menschen, das ihn zum Überleben befähigt, wie das Herz, die Leber oder die Lunge. Von Mißgeburten oder späteren Beschädigungen abgesehen, funktioniert eines jeden Hirn so gut wie das Hirn eines anderen. Ohne Schwierigkeiten erledigt es die Aufgaben der Regulation des Körpers für dessen Lebenszeit. Der Unterschied, den Menschen machen zwischen Leuten mit "viel Hirn" und Leuten "ohne Hirn", bezieht sich nicht auf die Fähigkeit des Hirns selber, sondern auf Ideologie und Unterordnung. Spätestens seit den Forschungen der neueren Anthropologie (z.B. Claude Levi-Strauss), wissen auch die Wissenschaftler, daß selbst die "Wilden" oder "primitiven" Völker nicht primitiver sind als wir Zivilisierten, sondern sich nur auf andere Dinge spezialisieren, die unter ihren Lebensbedingungen von besonderer Bedeutung sind. So ist auch der "Intelligenz"-Unterschied, mithilfe dessen in unseren Breiten Menschen herabgesetzt oder hinauf gehoben werden, nicht ein Unterschied von höherer oder geringerer Fähigkeit des Hirns, sondern nur ein Unterschied verschiedener Wertrangordnungen, verschiedener Notwendigkeiten. Manchen Menschen erscheint es wertvoller, den Körper zu bewegen, als mit Zahlen zu jonglieren. Wer könnte sagen, der Mathematiker habe ein besseres Hirn als der Tänzer oder der, der mit einem Speer einen Elefanten erlegt.

Jeder nützt die Möglichkeiten, die ihm offen stehen. Manche begnügen sich mit den Möglichkeiten, die ihnen ihre Nachbarschaft anbietet, andere geben sich damit nicht zufrieden, sie gehen hinaus in die Welt und sehen sich um. Die Widersprüche sind die treibende Kraft. So suchst du wie jeder die vorhandenen Zwischenräume möglichst gut für dich zu nutzen, dich womöglich dort einzuordnen, wo du dich hingezogen fühlst. Aus Gründen der Rechtfertigung, nach der andere Menschen fragen, findet deine Vernunft dann "Gründe", die ungefähr ebenso stichhaltig sind, wie die Gründe, die man angeführt hat um die Theorie zu verteidigen, daß die Sonne um die Erde kreist. Und das ist verständlich: Welcher Mensch könnte alle Faktoren, die zu einem bestimmten Verhalten geführt haben, im bewußten Gedächtnis halten, wo er doch nicht einmal weiß, warum sein Herz schlägt.

Der Glaube an die rationalen Begründungen ist es, von dem der Volksmund sagt: "Glauben heißt nichts wissen". Doch es gibt einen realen Glauben, der auf rationalisierte Begründungen verzichtet, weil er weiß, daß sie nichts taugen und nur Lügen sind. Mit ihm wird ein Mensch dem bislang als "unbewußt" bekannten Bereich seines Hirns vertrauen, wie er ihm auch den rechtzeitigen Herzschlag zutraut, und er wird seine Energie nicht darauf verschwenden, sein Verhalten anderen gegenüber zu rechtfertigen. Wenn dieses unrationalisierte Selbstvertrauen hergestellt ist, gibt es nicht, wie manche fürchten könnten, nur noch das Unbewußte, die reine Irrationalität und Undurchsichtigkeit, vielmehr wird das vordem Unbewußte dann bewußt. In seiner völligen Klarheit und Zweifelsfreiheit steht das Ich dann der Welt gegenüber als "Ich bin der ich bin".

Jesus hat die Menschen nicht erlöst in irgendeiner mysteriösen Weise, sondern er hat bewiesen, daß eine Existenz ohne Schuld und Rechtfertigung möglich ist und daß eine derartige Existenz ungeahnte Möglichkeiten und Kräfte entfaltet. Andere Menschen wie Krishna, Buddha, Elia und andere haben vorher schon das selbe Beispiel vorgeführt: ohne Vorurteil zu leben, alle Bedenken aufgegeben. Das Unbewußte bleibt nämlich nur so lange unbewußt, wie wir es unbewußt halten durch unsere Rationalisierungen. Ja es drängt ans Licht mit aller Macht. Manche werden verrückt darüber, manche krank, doch es gibt nicht nach, bis es heraus ist. Die Furcht vor dem Unbewußten, dem "Irrationalen" drängt zu dessen Auflösung, dem Ende der Negation.

Wenn du aufgehört hast, dich zu verneinen, kannst du dich schöpferisch entfalten, dich entäußern, veräußern, verwirklichen, dein Inneres nach außen kehren, wie du das Äußere in dich aufnimmst, wie du ja selbst eine Konkretisierung dieses Äußeren bist. Losgelöst von deiner Selbstbefangenheit, die wiederum Fremdbefangenheit ist, wirst du frei. Falls du dich noch nicht frei fühlst, noch zu viele Schranken in dir aufgerichtet siehst, sei nicht ungeduldig, verurteile dich nicht selber, jeder tut, was er kann und zur rechten Zeit wirst du frei sein.

Die Widersprüche, die dich indem, kennst du als Schuldgefühle. Schuldgefühle sind es, mithilfe derer wir uns an uns selber klammern. Sie sind die Sucht des Nichtloslassenkönnens, das jeder anderen Sucht zugrunde liegt. Schuldgefühle verhindern, daß du deine Maske fallen läßt und zu dem stehst, was du in deinen Träume bist, denn das ist es, was du liebst. Die Menschen phantasieren andauernd darüber, doch nicht viele tun es. Sie halten sich zurück und so weit sie zurückhalten, so weit werden sie enttäuscht, denn sie bekommen nicht, was sie wollen. Freiheit muß auf das Zurückhalten verzichten, die Sicherheit überschreiten und sich der Gefahr der Enttäuschung voll aussetzen.

Schuld ist das Nichtanerkennen von Tatsachen, die Verleugnung der Wahrheit. Schuld ist das "rationalisierte" Vorgeben falscher Tatsachen vor sich selber. Wenn ein Mensch einen anderen getötet hat, wie ist er schuldig? Kein Mensch tötet grundlos. Schuld beginnt mit der Rationalisierung, wenn etwas für etwas anderes ausgetauscht wird, etwa das Leben eines Menschen für Geld. Hier bleibt ein unauflöslicher Widerspruch bestehen, den keine Sühne oder Reue gut machen kann, sondern nur das Anerkennen der Wahrheit. Unser Mörder aus Geldgier wird begreifen müssen, daß, wonach er wirklich verlangt, gar nicht das Geld ist, das, wie jeder weiß, nur Ersatz ist für die Wirklichkeit, abstrakte Konkretisierung des rationalisierten Schuldgefühls. Gier nach Geld ist bereits Folge der Entfremdung. Die Schuld liegt lange vor dem Mord. Als Kain seinen Bruder Abel tot schlug, wollte er nicht wahr haben, daß das Gesetz kein Recht ist, daß die Wirklichkeit nicht von den eigenen Vorstellungen abhängt. Im Verleugnen der Wahrheit beginnt die Schuld. Kain senkte sein Haupt im Zorn, heißt es, er fühlte sich unterlegen, weil seinem Opfer der Erfolg versagt blieb, weil seine Berechnungen, seine Rationalisierungen nicht aufgingen. Er gab sich selbst die Schuld für einen Mißerfolg, der nicht von ihm verursacht war - er hatte bei seinem Opfer keinen Fehler gemacht - sondern von der Wirklichkeit, von den Tatsachen, unverursacht. Der rationale Kain konnte das nicht verstehen. Er dachte sich selbst als schlecht und folgerichtig erschlug er seinen "guten" Bruder. Rationalisierung, die Vernunft, wird so zur Verschleierung der Wahrheit, daß es Unterschiede gibt, Tatsachen, die unserer Einflußnahme entzogen sind.

Schuld wird es für dich geben, so lange du berechnend bist. Du mußt anerkennen, daß Schmerz dich treffen kann, ohne daß du dich oder andere des falschen Handelns bezichtigen könntest. Und Freude kann dir versagt bleiben, ohne daß es einen Schuldigen gäbe. So suche nicht nach Schuldigen, sondern lerne, den Schmerz zu besiegen, indem du die "Toten die Toten begraben läßt" (Jesus). Wer Schuldige sucht, erklärt sich selbst für schuldig, nicht aufgepaßt zu haben oder nichts für die Abhilfe eines üblen Zustands zu tun. Wer sich selbst schuldig fühlt, wird sich an den anderen dafür rächen. Wer andere für schuldig erklärt, wird sich in Selbstmitleid gefallen. Er wird als "Gerechter" sein Mißgeschick bejammern, ohne seine Situation zu verändern, ohne sich aus seiner Selbstbefangenheit zu befreien. Depressionen kennzeichnen diese Phasen der Selbstbefangenheit. Wir alle kennen auch die Rachsucht und Eifersucht, die diese Selbstbefangenheit produziert. Und wir alle wissen, daß diese Stimmung eine Hölle schafft, in der wir viele Quälen auszustehen haben. Im günstigen Fall sind diese Qualen das Reinigungsfeuer, das auf das volle Aus-Sich-Herausgehen vorbereitet, im ungünstigsten Fall führt diese Haltung zum Tod. Die meisten Menschen können sich zeitlebens von ihrer Selbstbefangenheit nicht vollständig befreien. So müssen sie im Fegefeuer ausharren, bis sie schließlich ihren Geist aufgeben auf die eine oder andere Weise: in den Tod oder in das Leben.
 

"Nimm alle meine Schuld von mir, o Herr!"
Bete ich zu meinem Hirn und Meister,
Dem fleischgewordenen Wort Gottes,
Das mich immerzu lenkt
Und mich nicht verlassen wird.
Gott und Satan
Sind eins
In mir,
Der sich zur Hölle neigt,
Den Himmel suchend,
Bis schließlich
Ich Bin, Der Ich Bin.
 

Für einen Menschen auf dem Weg ist es wichtig, daß er seine Schuldenlast los wird, durch Einsicht, nicht durch Rationalisierung. Die Schuldgefühle sind der Ausdruck der fremden Götter, denen wir dienen. Wenn wir uns etwas vorgenommen haben, aus der Vernunft, aus den Urteilen der anderen, denen wir etwas zu schulden glauben, und wir erreichen es nicht, dann sind wir in Gefahr unsere Seele zu verlieren. Wenn wir aus der Depression heraus wollen, müssen wir irgendwann beweisen, daß wir unseren Schuldgefühlen gewachsen sind. Schuldgefühle kommen aus bloßen Vorsätzen, denen Verantwortung und Entscheidungskraft fehlen. Sie kommen aus uns selbst heraus und sind wie Geister, die in unserem Dienst stehen und uns herausfordern. Sie sind ein Teil von uns, weil wir uns aufspalten um anderen Kräften zu gefallen.

Wir können unsere Schuld nicht loswerden durch Reue und Vorsatz, denn die Vorsätze sind es, die uns in die Schuld hineinstürzen und uns immer wieder zu Fall bringen werden, so lange wir unsere Aufmerksamkeit auf die Mächte der Vergangenheit richten. Laß dich daher nicht von gestern beirren und auch nicht von deinen Vorsätzen. Die Notwendigkeit der Schuld verliert sich mit der Umstellung auf die Gegenwart. Dann brauchen wir uns nicht mehr aufspalten. Wir brauchen uns nicht mehr sorgen, denn in der Gegenwart ist alles enthalten. Wenn wir gegenwärtig eine Schuld begleichen müssen, so ist das ein Opfer an einen Geist, dessen Macht wir nicht gegen uns wenden möchten, weil wir die Gefahr sehen, jetzt, in der Gegenwart, wo wir auch schon auf seine Drohung antworten. Mit all unserer Aufmerksamkeit in der Gegenwart wird es uns leicht fallen, die Gefahr und die tatsächliche Macht zu sehen. Schau der Macht deiner Schuld ins Auge, indem du ihre Drohung in der Gegenwart beachtest, und entscheide dich im Bewußtsein deiner Verantwortung für dich.

Wenn ein hang-up mich plagt, verfolge ich es nicht direkt. Ich ordne mich seiner überlegenen Kraft unter, gebe ihm nach und werde dadurch schuldenfrei. Und wenn die Zeit kommt, werde ich das hang-up selber los, sobald meine Unzufriedenheit mit ihm die Schwelle überschreitet und Dimensionen annimmt, die mich in Gewißheit handeln lassen. So lange muß ich geduldig warten und mein hang-up ertragen, ohne mich seinetwegen oder wegen meiner Opposition schuldig zu fühlen. Ich muß zuerst die Mächte kennenlernen, denen ich etwas schulde, ganz bewußt und freiwillig zurückgehen zur Quelle: "dies für Papi, dies für Mami, dies für meine Freunde, dies für meine Überheblichkeit, das für meine Illusionen. Dann kommt die wahre Bedeutung meines Vorbehalts zum Vorschein, die Werte werden klar, die Mächte, die mir das Vorurteil, das hang-up beigebracht haben wie die, die es mich überwinden heißen. Durch diese Klarheit der Kräfteverhältnisse gewinne ich die Freiheit der Entscheidung, die Möglichkeit, die Kraft mein Leben zu verbessern, stärker zu werden. Zuerst muß ich die Mächte kennenlernen, denen ich etwas schulde. Und wenn ich wirklich etwas schulde, muß ich zahlen, bis die Schuld abgetragen ist, ich muß im Gefängnis bleiben, das hang-up tragen bis es abgetragen ist, dann bin ich frei.

Aber zu meinen, wir könnten es loswerden, ohne zu zahlen oder ohne Kampf, durch Reue, das geht nicht. Wir müssen Kontakt haben mit den Mächten, denen wir etwas schulden, dann können sie uns die Schuld erlassen oder wir können erkennen, daß wir gar nichts schulden, daß es sich um ein Mißverständnis handelt. Aber so lange wir unsere Schulden und unsere Gläubiger in Nebel hüllen, bleiben wir abhängig. Blinde Opposition, Trotz ist sinnlos. Wir müssen die Bekanntschaft dieser Mächte machen, wenn wir uns befreien wollen. Wenn wir stark werden wollen, müssen wir die Götter günstig stimmen und hohle Masken umstoßen. Sie zerfallen ohnehin zu Staub, sobald das Tageslicht sie trifft. Manche, kleinere hang-ups können wir im Direktangriff nehmen, aber an den stärkeren müssen wir arbeiten, ohne uns durch ihre Überlegenheit gekränkt zu fühlten, d.h. schuldig. Zuerst müssen wir unsere Position ohne Angst sehen lernen, sie akzeptieren, Nur so finden wir heraus, wem wir wirklich dienen und mit welchem Eifer. Von hier aus ergeben sich Angriffspunkte. Hier beginnen unsere Möglichkeiten, unsere Kraft zu stärken. So geht der Weg.

Oft ist auch das, was wir für ein hang-up halten, gar keins, wie ich erst kürzlich wieder erfahren habe. Über längere Zeit fühlte ich mich einsam und so ging ich in Lokale, um Menschen zu treffen. Lange bin ich mir dumm vorgekommen, einfach stumm und allein dortzustehen. Daß sich mein Mund nicht öffnen wollte, hat mir weh getan. Ich habe mir Mühe gegeben, beinahe wahllos versucht, Kontakte herzustellen, die mir dann aber lästig waren, weil die Freunde nicht das hatten, was ich suchte. Aber mit der Zeit fiel mir wieder ein, daß ich in der Vergangenheit die Richtigen immer sofort erkannt hatte und mir kam der Verdacht, daß meine Verschlossenheit vielleicht gar kein hang-up war. Ich wurde ruhiger und unternahm keine gewaltsamen Versuche mehr, Freunde zu machen. Nach einer Weile traf ich den Richtigen und jetzt weiß ich, daß ich nur nach dem Stern Ausschau halten muß und der wird sich immer dann zeigen, wenn es Zeit ist. Die Begegnung ist so klar, da gibt es keinen Zweifel. Sie ziehen sich an, die Stars. Sie spiegeln sich gegenseitig wieder und offenbaren die nächste Stufe auf der Himmelsleiter. Da, wo das Schwere plötzlich leicht wird, da ist der Weg.

Die Anerkennung der Wahrheit erfolgt auf die gleiche Weise wie das Sichverlieben. Es hilft nicht viel, sich vorzunehmen, dies oder das zu lernen, denn die Anerkennung der Wahrheit ist vom Interesse des Selbst bestimmt, dem daran liegt, Widersprüche aufzulösen, nicht neue zu schaffen, wie Vorsätze das tun, mit denen bekanntlich der Weg zur Hölle gepflastert ist. Der Weg zur Wahrheit ist der Weg zur Liebe, die auf Rechtfertigung verzichtet, die Tatsachen anerkennt wie sie sind, sich hingibt ohne zu rechnen, ohne Vorbehalte. Die Liebe versteht sich von selbst. Sie ist nicht die Erfüllung eines Gebotes, eines Zwecks, sie tut, was Freude macht. So wird Sex Liebe genannt, als Symbol für höchstes Wohlbefinden, Übereinstimmung des Tuns mit dem Antrieb, verwirklichte Phantasie. Liebe ist es, sich seiner selbst zu erfreuen und den anderen von dieser Freude mitzuteilen.

Die Heiligen singen Hallelujah, denn das ist der Ausdruck höchster Freude: In den verschiedenen Sprachen werden natürlich verschiedene Wörter verwendet, so hat es in Tirol - lange vor den Tirolerabenden - Jodeln geheißen, in anderen Gegenden spricht man von Woodoo, und das ist der Zauber. Und das ist der Zauber: diese Freude über sich selbst: Die Trompeten zerschmettern die Mauern von Jericho! Das war die Freude der Juden über sich selbst,

Das ist der Ausdruck dessen, daß du dich selbst gefunden hast und deine Beziehung zum Universum kennst: "Heureka". Du brauchst dich nun nicht mehr sorgen. Ohne Angst kannst du dich mitteilen, kannst du austeilen. Das ist Liebe. Liebe ist wie ein Direktanschluß. Es ist der Geist. Du kannst sie alleine erfahren oder mit anderen, sie bleibt sich gleich.

Wenn du Musik hörst, die du gern hast und du läßt diese Musik auf dich einwirken, kommt vielleicht der Punkt, an dem die Musik anfängt, dich zu bewegen, deinen Körper zu bewegen. Du kannst dich nicht mehr ausschließen. Es tut dir gut, dich so bewegen zu lassen, dich so zu bewegen. Das ist Liebe. Sie wird dich in Schweiß versetzen, doch ihre Freude wird dich nicht verlassen. So entstehen die Kunstwerke, die unsere Sinne erfreuen und so sorgen die Menschen füreinander, ohne sich zu sorgen. Sie haben eine Art der Kommunikation, die der Sprache nicht bedarf, wenn die Sprache auch einer ihrer Kanäle ist. Wenn du zu Musik tanzt, wirst du feststellen, daß dein Körper Formen produziert durch die Bewegung seiner Teile, die wie Botschaften sind aus einer anderen Welt, wie Träume. Immer wenn du dich in einer Situation aufgeben kannst, wenn du deine Bedenken abwirfst, siehst du, daß eine Macht dich steuert, die viel größer ist, als dein kleines, schüchternes vernünftiges Ich und du ahnst, was diese Macht zu tun imstande ist, wenn du sie nicht einschränkst.

Du kannst schon einiges riskieren, um dein Wohlbefinden zu erhöhen. Wenn du die Vernunft, dein Ich, dazu überreden kannst lockerzulassen, loszulassen, wirst du fähig sein, diese andere Welt deiner selbst kennenzulernen. Unendliche Schatzkammern warten auf ihre Entdeckung. So wird die Vernunft zu sich selbst gebracht, indem sie ihren Anspruch aufgibt "Ich" zu sein.

Das Schöpferische geht aus einem Bereich hervor, den die bewußte Vernunft nicht beherrscht. Hör einmal dem Konzert der Natur zu, wenn die Vögel und die Insekten Musik machen mit dem Wind und dem Wasser. Ohne Nachdenken geht der Abtausch von sich, unmittelbare Kommunikation. Das ist das Bewegende beim Schaffen eines Kunstwerks. Und auch ein Gelehrter kann nichts Neues entdecken, wenn er sich nicht entspannen kann, wenn eine Theorie ihn beherrscht, wenn nur die Vernunft regiert.

In vielen Situationen können wir erkennen, daß es außer der Vernunft etwas gibt in uns, das präzise und schnell Entscheidungen treffen kann, die der Situation am besten gerecht werden. Der römische Kaiser Claudius überlebte eine mörderische Zeit, der alle seine vernünftigen Verwandten zum Opfer fielen, indem er verrückt wurde. Sein Geist hat vorgesorgt, ist der Gefahr ausgewichen. Du kannst von diesem Instrument Gebrauch machen, indem du aufmerksam wirst dir selbst und der Welt gegenüber. Laß dich bewegen und geh, wohin es dich zieht: auf deinen Weg, den du liebst. So ist die Liebe die Antwort und die Vernunft eines ihrer Instrumente.
 
 




FRÜH ÜBT SICH,
WAS EIN SKLAVE WERDEN WILL





"Nicht für das Leben, für die Schule lernen wir." (Ein antiker Schriftsteller)
 
 

Dazu, sich auf die Weise durchs Leben zu bringen, wie sie das tun, brauchen die heutigen Menschen die Schulen, die sie durchmachen mußten, kaum. Für die meisten hat die "Bildung" den Zweck, sie vom zarten Alter an auf eine Sklavenexistenz vorzubereiten.

Die Demokratie der Sklaven sorgt dafür, daß nicht zu viele dem Sklavendasein entrinnen können.

Manche Eltern beginnen sogleich mit der Geburt: Betäubt kommen die Kinder auf die Welt und wenn sie das erste Mal vor Hunger schreien, werden sie nicht gleich gefüttert, sondern erst wenn die von Wissenschaftern, Mutmaßern und Bürokraten verordnete Stunde schlägt. Denn auf die Gefühle der Mutter kann sich die Gesellschaft heute nicht mehr verlassen. Die moderne Frau hat ihre Lebensweise schon lange bevor sie Mutter wurde, auf Tabellen eingestellt. Und mit Tabellen beginnt der Mensch aufzuwachsen.

Nach ein paar Jahren ist er dann schon genügend standardisiert und vorbereitet für den ersten offiziellen rationalisierten Drill im Kindergarten. Die Funktion der Tabellen wird jetzt von einer Institution übernommen, in deren Auftrag eine speziell dafür ausgebildete Person die Zeitdauer des Verbotes individueller Gefühlsäußerungen ausdehnt und diese Zeit mit aufoktroyierter Tätigkeit ausfüllt .

Zwar können Kinder dem Beginn der Gehirnwäsche im Kindergarten noch entkommen, aber möglicherweise sind sie dann nicht mehr konkurrenzfähig in der ersten allgemeinverpflichtenden Disziplinierungsinstitution, der Schule.

Die sich den Vorschriften hier nicht unterwerfen, die offiziellen Werte der Institution nicht anerkennen, potentielle Aufrührer also, werden systematisch abgedrängt und entmutigt. Dazu ist die Schule da.

Mindestens neun Jahre zwangsweise tägliche Disziplinierung sollen die jungen Menschen vorbereiten auf das folgende Sklavendasein, das gewöhnlich bis ins hohe Alter reicht, bis fünf Jahre vor den Tod. Vierzig Stunden Zwangsarbeit, lebenslänglich. Wer sich während seiner Jugendzeit zu sehr gegen die Disziplinierung auflehnt, wird in einem Erziehungsheim härteren Bedingungen unterworfen. Wer sich nicht biegen läßt, wird gebrochen.

Natürlich werden immer die gefördert, die sich unterwerfen. An die Pflichtschule schließen sich dann weitere Stufen der Disziplinierung, gesellschaftliche Lebenshilfen, denen sich freiwillig unterwerfen kann, wer es zu etwas bringen will: Lehre, höhere Schulen, Universitäten etc..

Für den Beruf ist das vorher vermittelte Wissen größtenteils unerheblich. Das für die spätere Tätigkeit erforderliche Wissen könnte in eigens dafür eingerichteten Kursen in einem Bruchteil der Zeit erlernt werden, die jetzt zur "Bildung" aufgewendet wird. Information über die realen Möglichkeiten der Verwirklichung der eigenen Bedürfnisse wird in der Schule nicht nur nicht geboten, sondern verboten. Diejenigen, die über die Inhalte der Zwangserziehung bestimmen, sind nicht interessiert an menschlicher Selbstverwirklichung, sondern an ihrem Posten. Es geht ihnen vor allem darum, sicherzustellen, daß auch jemand für die Dreckarbeit bleibt.

Während der gesellschaftlichen "Erziehung" wird daher auch die Sexualität verboten, damit die Menschen ausreichend voneinander isoliert werden, damit sie später Angst kriegen, einen verlorenen Liebhaber nicht ersetzen zu können, damit die Familie als Institution gesichert wird, die Wiege des Sklaventums.

Während die Eifersucht, also die Konkurrenzangst, im sexuellen Bereich die Schranken von Ehe und Familie aufbaut, errichtet sie im ökonomischen Bereich die Barrieren, mit Hilfe derer die Inhaber höherer Positionen sich vor nachfolgender Konkurrenz schützen. Deshalb braucht man all diese Papiere und Dokumente, um solche Positionen zu erlangen, wie abgeschlossene Lehre, Abitur, Doktorat, Ausbildungszertifikate usw. Die Dokumente und die zu deren Erlangung notwendige Ausbildung stehen in keinem Verhältnis zu den Anforderungen der Position.

Ich habe Menschen getroffen, die kaum lesen und schreiben konnten, in Weisheit und Wissen über die Funktion der Menschen in der Gesellschaft aber Doktoren und Professoren der Philosophie und der Psychologie aber weit überlegen waren. Sie wissen die entscheidenden Dinge in ihrem Leben genau. Sie wissen, wohin sie gehen, wer sie daran hindert und wer sie fördert. Sie kennen die Wirklichkeit und sind daher nicht daran interessiert, sich oder anderen das Leben zur Hölle zu machen. Viele ausgebildete Menschen wissen das nicht.

Ich habe Doktoren und Professoren getroffen, die völlig blödsinnig wie Maschinen, wie Automaten, wie gehirngewaschene Sklaven durchs Leben gehen, entsprechend ihrer eigenen Knechtschaft es als ihren Hauptzweck ansehen, ihren Mitmenschen das Leben so schwer wie möglich zu machen.
 
 

Welche Bedeutung die Schule für die gesellschaftliche Positionen hat, auf die sie vorbereitet, beweisen Menschen, die die Früchte dieser Positionen genießen wollen, ohne die zuvor vorgeschriebene Knechtschaft über sich ergehen zu lassen. Immer wieder hören wir über Fälle, in denen Menschen durch Jahre hindurch Funktionen zur vollsten Zufriedenheit aller ausüben, zu denen sie nicht 'qualifiziert' sind durch entsprechende Ausbildung und Dokumente. Diese "Betrüger" arbeiten als Ärzte, Richter, Lehrer usw.. Schockiert reagieren die Autoritäten auf solche Fälle. Die hohe Gesellschaft fühlt sich ertappt. Jemand ist ihnen auf die Schliche gekommen. Ein guter Schauspieler hat bewiesen: Die Ausbildung und die Dokumente sind nicht dazu da, auf eine Position vorzubereiten, sondern dazu, die Massen von dieser Position fernzuhalten. Ein guter Schauspieler braucht die Schule nicht, um eine Funktion "sachgerecht" auszufüllen. Daher stört es auch kaum, daß die Lehrziele der Schulen 200 Jahre hinter der wirtschaftlichen Wirklichkeit herhinken und daß nach erreichtem Diplom die richtige Ausbildung erst anfängt. Die in den Schulen geleistete Vorarbeit ist dazu oft nicht sehr hilfreich. Nur in einem ist die "Ausbildung" der Schulen wichtig: in der Disziplinierung. Für die Position eines Sklaven braucht man eine Dressur.

Die Menschen, die heute einem Bildungswahn verfallen, tun das aus gutem Grund: Für diejenigen, deren schauspielerisches Naturtalent frühzeitig zerstört wurde, ist es notwendig, die gewünschten Rollen in Schulen zu erlernen und die für das Theater notwendigen Dokumente auf dem regulären Weg zu erwerben. Das ist der sichere Weg, um in bestimmte Positionen zu gelangen. Und damit ist der Nachwuchs gesichert, die zukünftigen Befürworter jener Dressur, die man auch in Zukunft "Ausbildung" nennen wird.

Daß die Inhaber höherer Positionen am Festhalten an diesen Positionen mehr interessiert sind, als am Fortschritt, von dem sie sprechen, führt in periodischen Abständen immer zu mehr oder weniger gewaltsamen Beschwerden der untergeordneten Bevölkerung.

Treibende Kraft dieser Veränderungen ist heute die Laus, die sich die Menschen selbst in den Pelz gesetzt haben, das Kapital. Das Kapital und die Trägheit der Menschen stehen in Widerspruch. Das Sicherheitsstreben verträgt sich nicht mit den ökonomischen Notwendigkeiten, denn oft sind von Menschen kurzfristige Veränderungen erfordert. So etwas wie "Verbeamtung" ist nur die Perversion der in ihrer Sklavenexistenz Unzufriedenen. Anstatt sich zu befreien, lassen sie sich verbeamten. Das Kapital ist der Garant des Fortschritts gegen die reaktionären Funktionäre und Bürokraten. Von hier wird die Veränderung kommen, die sich mit Verbesserungen nicht mehr zufrieden geben wird.
 
 





HOLLYWOOD UND DIE STARS

(Beispiele der Selbstverwirklichung)






Hollywood ist ein neues Symbol für den Himmel geworden, denn der Himmel ist immer dort, wo die Sterne sind. Hollywood schafft für viele Menschen ein Ideal, indem es Träume über Leinwand und Lautsprecher reproduziert, die Mythen unseres Jahrhunderts.

Träume haben nicht nur die Funktion der Unterhaltung, der Drang zur Vervollkommnung hat seinen Ursprung in der Phantasie. Die ursprüngliche Phantasie, so könnte man sagen, startete dieses ganze Universum. Was ist, versucht so gut wie möglich zu sein, seine Phantasie treibt es zur Perfektion. "Im Anfang war die Botschaft und die Botschaft war bei Gott und Gott war die Botschaft. Diese war im Anfang bei Gott. Alles ist durch sie geworden und ohne sie ist nichts geworden von dem was geworden ist. In ihr war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen." (Beginn des Johannesevangeliums) . Wir bestehen aus einer Art innerem Signal, das uns ständig in Kommunikation mit den Kräften um uns die Perfektion in Erinnerung ruft, die Harmonie. Das ist der Logos, die Botschaft, unser inneres Programm, wir selber. Aber unser Licht, die Phantasie, ist ständig in Gefahr, von übermächtigen Kräften überschattet zu werden. Dann ist es das Leuchten anderer, das uns wieder auf unsere eigene Botschaft aufmerksam macht. In diesem Zeichen, in uns, sind Schönheit und Glück eins, "kalokagathia", wie die Griechen dieses Verhältnis nannten. Schönheit ist eine ausgeglichene Struktur, harmonisch innen und in allen seinen Beziehungen. Schön ist, was nichts mehr zu wünschen übrig läßt - außer dem immer und überall vorhandenen Drang nach Veränderung. Wenn die Phantasie die Wirklichkeit nicht mehr verbessern kann, ist Vollkommenheit erreicht. Sie ist aber nie am Ende.

Wer seine Anstrengung in Freude verwandeln kann, wer sein Leben mit dem bestreiten kann, was er zu tun liebt, ist ein Weiser, ein Meister des Menschseins, ein Star. Hollywood lebt von solchen Bildern. Hollywood schafft sie und regt die Phantasie der Menschen an, indem es ihnen Möglichkeiten zeigt, urtypische Leitbilder in der Sprache der Gegenwart. Vom Verbrecher bis zum Heiligen, Hollywood bietet Identifikation für jeden. Dadurch wird Hollywood zur großen Schule der Massen, die mehr Einfluß besitzt als irgendeine andere Schule. Hollywood beschäftigt sich mit dem Leben in all seinen Aspekten und fördert es, indem es durch seine positiven Bilder zeigt, daß alles möglich ist. Die gewöhnlichen Schulen versuchen, uns einzureden, das einzig wichtige Ding im Leben sei die Einordnung in den Wirtschaftsprozeß. Dazu sind möglichst wenig selbständige Ideen erwünscht. Die Schüler haben dementsprechend wenig Spaß an der Schule. Sie lassen sie einfach über sich ergehen als etwas Unvermeidliches, wie sie später auch alles andere über sich ergehen lassen werden. Die Grundlage von Hollywood dagegen sind Phantasie und Selbstverwirklichung, die Meisterschaft des Lebens. Damit wird es zu einer progressiven Institution, immer einen Schritt vor der gewöhnlichen Wirklichkeit mit seinen Mythen der Meisterschaft, und der Tragödie.

Hollywood reproduziert die großen Mythen der Menschheit in der Sprache unserer Zeit. Hollywood zeigt, welches Verhalten unter welchen Bedingungen von wem belohnt oder bestraft wird, es zeigt die Schönheit des Lebens und des menschlichen Körpers und es vernachlässigt auch die Kehrseite nicht, das Häßliche und den Tod. Seine Spitzenstars sind großartig und schön, sie lieben ihre Arbeit und sie lieben ihr Publikum. Sie liehen die Menschen und sind schön für sie, sie geben sich selbst. Und weil sie die Menschen lieben, lieben die Menschen die Stars - und bezahlen sie fürstlich. Natürlich hat auch Hollywood seine Lohnsklaven. Die Welt der Unterhaltung ist insbesondere durch das Fernsehen zu einer Industrie geworden, die Massenprodukte billig herstellen muß. Hollywood bietet alles an, was die Marktlage erlaubt. Hollywood ist Geschäft. Hollywood ist skrupellos. Hollywood kennt keine Vorurteile. Zwischen gut und schlecht wird nicht unterschieden. Man produziert, wovon man weiß, daß es Abnehmer findet - und es sind durchwegs Träume, die man produziert und die Produzenten sind den Konsumenten wenigstens einen Schritt voraus in ihrer Selbstverwirklichung. Die Unterhaltungsindustrie ist ein Spiegel der Gesellschaft, denn sie bietet, was gefragt ist. Verkaufszahlen bestimmen den Wert. Hollywood bietet Unterhaltung, für jede Gesellschaftsschicht, für jedes Individuum. Nahrung für die Seele, natürlich auch Ersatz, "Konsum" - eins der No-No's im Moralkodex von vielen, die noch nicht bemerkt haben, daß auch der "fortschrittlichste", "progressivste", "einzige" Sound von der "alternativsten" Plattenfirma herausgebracht, Konsum" ist, zu Hause, in einem Lokal, wo immer. Vielen Menschen ist Hollywood ein Dorn im Auge, weil sie sich in ihrer Lebensauffassung gekränkt sehen durch "unlauteren Wettbewerb", "Schmutz und Schund", "Manipulation". Die einen meinen, die von Hollywood verbreitete Konsumideologie verseuche die Massen, andere meinen die kritischen Analysen gesellschaftlicher Verhältnisse im Fernsehen seien der Beweis für kommunistische Unterwanderung, wieder andere sehen ihre obersten sittlichen Grundsätze verletzt durch die unzensurierte Darstellung von Sexualität oder gar von Perversionen, Exzessen und kriminellen Handlungen aller Art. Es gibt tausend Einwände gegen die Unterhaltungsindustrie, wie es tausend Einwände gegen "die Gesellschaft" gibt.

Und doch hat Hollywood heute etwas für jeden und wir alle leben zu einem viel größeren Teil nach seinen Vorbildern, als wir annehmen. Früher waren es Literatur, Konzert, Theater, heute sind es Schallplatten und Filme. Die Zeiten haben sich gewandelt, aus der Kunst ist Hollywood geworden. Und sie bewegen sich alle auf einer Ebene, die Spitzenstars der Unterhaltung, seien sie Musiker, Schauspieler, Diplomaten, Forscher, Künstler gleich welcher Richtung. Menschen, die sie selber sind und die sich ungehemmt verströmen können wie die Sterne. Es gibt sie zu allen. Zeiten, die Krieger, die unbeirrt leben, weil sie alles geben und nichts: trotzig-ängstlich zurückhalten, die wissen, was sie tun., weil sie es lieben. "Der überlegene Mensch" nennt der I Ching den Star, "Krieger" heißen sie bei "primitiven" Völkern.

Die Stars sind Kämpfer. Sie haben sich durchgesetzt. Der Konkurrenzkampf ist hart im Showgeschäft. Aber die wirklichen Stars schaffen es nicht durch streberischen Opportunismus, sondern auf ihrem eigenen Weg. Die meisten Stars haben harte Durststrecken mitgemacht, ausgeschlossen immer wieder, denn die etablierte Gesellschaft sieht die nicht gern, die einfach so aus sich selber wer sein wollen. Das verstößt gegen ihre Regeln der Unterordnung. Starke Kräfte zehren, wollen uns zurückhalten. Alle haben Angst, "du mußt was Ordentliches werden", ein Beamter, Karriere machen in der Bürokratie oder im Geschäftsleben, mit Pensionsanspruch. Bis ein Mensch gegen alle diese Widerstände hinweg sich selber treu, wenig beschädigt durchkommt und sich dann selber findet und tut, wozu es ihn drängt, vergeht viel Zeit, der Irrtümer, Enttäuschungen, Umwege, Rückschläge. Das Lernen ist hart. Den Stars bleibt es nicht erspart. Der Glanz, der dann vorgezeigt wird, ist das Ergebnis von viel Angst und Schweiß: Nicht unter der Peitsche des Produzenten, sondern unter dem Drang, es gut zu machen, vollkommen zu sein, das höchste zu erreichen, nicht für andere, sondern für sich selber.

Viele fürchten den unkontrollierbaren Einfluß der Produkte der Unterhaltungsindustrie und es ist wirklich schwer zu sagen, wer heute regiert und wie. Die einen versuchen oft, den Andern die Schuld zu geben für ihre eigene Unfähigkeit. Alle versuchen, Einfluß zu haben und tatsächlich herrschen alle irgendwie. Strömungen entstehen aus einem massenhaften Bedürfnis, einem Vakuum wie einem Wettertief. Sie ziehen die Befriedigung an, sobald dies möglich ist, sobald anderswo ein Hoch da ist - und dieser Überfluß ist auch der Grund für die Anziehungskraft der Stars. - Regiert der Mangel, der nach Erfüllung schreit oder regiert der Überfluß, der dem Mangel entgegenkommt? Erst wenn die Erfüllung in Sicht kommt, wird der Mangel voll bewußt. Aber was ist mit denen, die sich des Mangels nicht bewußt werden, die sich von Hollywood das Hirn vernebeln lassen? Opium des Volkes, wie früher die Religion, die Scheinwelt, die Menschen motiviert, sich weiter zu versklaven, damit sie sich auch leisten können, was die Stars haben: Urlaub auf den Bahamas oder gar bei den "Wilden" in Togo, ein schnittiges Auto, beste Zigarettenmarke, schicke Schuhe, gekleidet nach L'HUOMO oder VOGUE, mit einem Wort Jet-Setter sein wie die Stars, wenigstens durch Quelle oder Neckermann - Disneyland im Wohnzimmer und dazu den beliebten Gangsterdarsteller Ronald Reagan for President. "Ein Glück, daß es die Quelle gibt". So haben die, denen ihr Mangel nicht bewußt wird, auch ihren Teil, sie sind nicht zu bedauern. Die jammern über die Medienmafia, haben noch nicht begriffen, daß die Medien für alle da sind, die ihren "Kunden" etwas zu sagen haben. "You can't keep a good man down" (BEE GEES). Die, die gern gute Arbeit tun, gleich welcher Art, werden überall offene Aufnahme finden. Die Stars setzen sich über alle Widerstände hinweg, aber alles braucht seine Zeit, auch des Kampfes mit sich selber, bis die Klarheit durchbricht, daß es darauf ankommt, die Möglichkeiten des Jetzt optimal auszuschöpfen. Tun, was wir mögen und es gut tun. Am Anfang sind auch die besten Stars nicht vollkommen. Naturgemäß stellen sie sich ihre Selbstverwirklichung noch nicht richtig vor. Sie sind noch erfüllt vom Gehorsam oder von der Gegenwehr gegen ihre Prägung. Anfänger des Weges sind oft mehr am Erfolg interessiert, oder sie verwerfen den Erfolgs und gefallen sich in Schildbürgerei. Wer am Erfolg hängt, gleich ob positiv oder negativ, nimmt das, was er tut, nicht ernst. Und darunter leidet der Arbeiter wie das Produkt. Wenn sich der Erfolg dann einstellt, ist die Befriedigung darüber nur enttäuschend kurz. Das ist das Problem der Karrieristen und manche gelangen über dieses Stadium nie hinaus. Wer am Erfolg hängt, hängt in der Luft. Erst wer liebt, was er tut, kann ein Meister sein.

Erst wer liebt, was er tut, wird anfangen, sich nicht mehr um den Erfolg zu kümmern, sondern nur noch um die Qualität seiner Arbeit, denn in ihr verwirklicht er sich ja. Er braucht den Erfolg nicht zu seinem Glück und trotzdem ist Erfolg in diesem Fall unvermeidlich, wo Künstlichkeit, Verlogenheit, Stümperhaftigkeit keinen Platz mehr hat. Ein Mensch fängt an Meister zu werden, wenn er den Gedanken an Erfolg aufgegeben hat als etwas "Eitles", ein Vergeblichkeit, ein Vorurteil, das sich selber nur im Wege steht.

An den Produkten der Unterhaltungsindustrie ist das klar abzulesen. Die billigen Massenwaren werden von Karrieristen und Anfängern hergestellt. Und auch diese Produkte finden Abnehmer, wodurch auch der "Schund" seine Daseinsberechtigung erhält, wie auch dessen Abnehmer ihre Daseinsberechtigung haben: Die meisten von ihnen verrichten gesellschaftlich notwendige Arbeiten, die vielen "Kultivierten" zu niedrig wären. Damit soll nicht gesagt werden, daß "Kultivierte" keinen "Schund" konsumieren oder daß Ungebildete an Stümperhaftigkeit Gefallen fänden. Die Sache der Kultur ist nämlich viel komplizierter, als viele Gebildete sich einbilden.

Hollywood und die Welt der Stars auch denen verständlich zu machen, die dieser Welt mit Skepsis gegenüberstehen, macht es notwendig, viel mehr zu sagen, als unter Menschen gesagt werden müßte, die dieselbe Sprache sprechen. Die Verständigung zwischen Menschen ist nämlich nicht nur durch die Sprache bestimmt, die wir deutsch, englisch oder chinesisch nennen, vielmehr ist sie gebunden an Niveaus der Selbstverwirklichung:

Die Menschheit ist letztlich zweigeteilt in solche, deren Denken durch ihre Mitmenschen beherrscht ist, die über sich bestimmen lassen und daher Erfolg erstreben. Das sind die Sklaven. Sie arbeiten entfremdet. Die Arbeit selber interessiert sie nicht, sondern nur das Ergebnis, das ihnen die gewünschte Anerkennung und Belohnung bringen soll. Da von anderen bestimmt wird, was Erfolg hat, was Anerkennung findet, glauben sie, daß es gut ist, über andere zu bestimmen. Die Sklaven sind diejenigen Menschen, die Kataloge von Dingen eingepaukt bekommen haben, die sie für gut oder schlecht halten sollen. Sklaven leben nach solchen Listen. Auch die linken Intellektuellen etwa, die sich einbilden, eine relativ fortgeschrittene, wenig entfremdete Gesellschaftsgruppe zu sein - was auch stimmt, denn viele von ihnen sind drauf und dran echte Heilige zu werden - haben gelernt, daß alles, was unterdrückt, schlecht ist, außer, so glaubt eine Untergruppe, wenn die Unterdrückten die Unterdrücker unterdrücken. Manche nennen diese Listen "Wertranglisten". Schulen von Ideologien bilden sich um solche Listen, oder Religionen oder vieles mehr. Worauf es aber hinausläuft, ist bei all diesen Listen gleich: Man traut sich selber nicht so recht. Man läßt sich lieber von anderen sagen, was gut ist und was schlecht. Und weil man sich nicht auf sich selber verlassen zu können glaubt, kann man auch den anderen nicht trauen. Man unterwirft sie daher, wenn möglich, einer Diktatur, die auch wieder auf diesen Listen beruht.

Die andere Sorte von Menschen, die Freien, die anfangen zu Meistern des Lebens zu werden, haben erkannt, daß die Ursünde die Unterscheidung von gut und böse ist - die Bibel hat das längst erkannt, aus Gründen der Sklavenhaltung ist diese Wahrheit von den Staatskirchen jedoch verdrängt worden und ins Gegenteil verkehrt, indem man nämlich meint, das Böse sei die Erkenntnis oder es sei die Sexualität etc.. Die Freien glauben daher nicht mehr an solche Listen von Vorurteilen, die die Ideologien kennzeichnen. Sie sind nicht auf Erfolg aus, weil sie der Anerkennung nicht bedürfen.

Sie glauben an sich selbst und sehen ihre Stellung im Universum, anstatt bloß in ihrer kleinen Gemeinschaft, in der Vorurteile natürlich aktuell sind. Freie Menschen verwirklichen sich selbst, nicht die Ziele anderer; um die machen sie sich keine Sorgen. Freie Menschen sind nicht zurückhaltend mit sich selber und sie täuschen nichts vor, wie die Sklaven. Selbst die Lüge wird zur Wahrheit in der "kontrollierten Torheit" (Castaneda) des Meisters, in dem die Gegensätze sich auflösen.

Man wird hier einwenden: Mit diesen Thesen könnte man doch die größten Greueltaten rechtfertigen! Die Antwort ist jedoch einfach: Die Rechtfertigung von Greueltaten ist insbesondere den Anhängern von Wertekatalogen höchster Ordnung bisher immer äußerst leicht gefallen, ganz gleich welche "Freiheit" sie anderen auf zwingen wollten, sei es die christliche, die kapitalistische, die kommunistische. Sie alle haben Blut an den Händen, in denen sie die Listen halten, die sie ununterbrochen im Geiste rezitieren, damit sie nicht irre werden. Eine andere Gruppe, gewöhnlich wird sie mit der politischen Rechten in Verbindung gebracht, sieht sich selber sehr "rational", sie glauben, sie seien über diese Listen schon hinaus, weil sie die Moral hinter sich gelassen haben. Aus diesen Kreisen erstellen sich Diktatoren und Berufsverbrecher der gehobenen Ebene (Politiker, Wirtschaftsmanager usw.). Ihr Denken ist gegenüber den Sklaven etwas fortgeschritten. Sie sind skrupellos und glauben, daß sie keine Vorurteile haben. Doch sie sind sich ihrer Sache nicht ganz sicher Sie müssen sich noch selbst beweisen durch Aktionen, die den gewöhnlichen Vorurteilen moralischer Listen entgegenstehen. Alle Unterdrückungsmaßnahmen kommen aus der Angst vor Unterlegenheit. Auch hier herrscht das Erfolgsdenken, das im Voraus bestimmen will, was gut ist, also Vorurteil.

Freiheit beginnt, wo das Erfolgsdenken aufhört, wo ein Mensch seiner eigenen Botschaft folgt und tut, was gut tut. Weil es Freude macht, macht er es gut. Er bleibt kein Anfänger, er wird ein Meister, ein Star. Damit sind wir zurück in Hollywood, wo die Konzentration der menschlichen Freiheit größer ist, als in vielen anderen Gebieten, wo es jedoch auch nicht wenige Sklaven gibt. Hollywood wird zum Symbol der Freiheit, weil von dort Anstöße kommen, das Listendenken zu überwinden, zur Beseitigung von Vorurteilen, in Richtung Freiheit und Selbstverwirklichung.

Wer aber an den Stars als seinen Göttern hängenbleibt, anstatt sich selber zu verwirklichen, wird auch von ihnen irregeführt werden. Wer diesen Autoritäten anhängt, gleicht sehr denen, die ihr Leben an den Geboten der Kirchen, der Wissenschaftler oder anderer Autoritäten messen. Sie sind nur Beispiele der Selbstverwirklichung, dafür, daß alles möglich ist. Der Himmel eines jeden ist verschieden für einen jeden. Keine Autorität kann den Himmel verordnen, auch wenn wir uns immer wieder bei der Frage ertappen: Darf ich denn das, ist das nicht zu gefährlich, werde ich nicht verrückt? Auch wenn wir immer wieder nach Autoritäten suchen, die uns die Entscheidungen abnehmen, die uns sagen: Tu dies, laß das, usw.. Aber das Glück des Lebens kommt von innen heraus. Es liegt auf den Wegen des Herzens. Keine Autorität kann es für uns erreichen. Wir müssen die Sicherheit in uns selber finden im Licht der Liebe wie sie von den wirklichen Stars ausstrahlt, seien sie bekannt oder unbekannt. Es ist nicht der Ruhm, es ist das Licht, das einen Star ausmacht. Das entdecke in dir und laß es leuchten, dann bist du ein Star, wo und wie immer du lebst.
 
 






KOMMUNIKATION

(GEBEN BRINGT ERFÜLLUNG)






Ein Beispiel:

Wenn ein Musiker für andere Menschen spielt, genügt es nicht, daß er sein Instrument beherrscht und spielen kann, was ihm in den Sinn kommt, er muß kommunizieren. Entfremdete Musiker wollen vor allem zeigen, wie gut sie sind und was sie sich leisten können. Mit oft größter Virtuosität spielen sie die Tonleitern hinauf und hinunter und sie produzieren die kompliziertesten Rhythmen. Und manchen Menschen, insbesondere solchen, die sich gern als Sachverständige sehen, genügt schon das, weil ihr bewußtes Urteilsvermögen, ihr Denken angesprochen wird. In dem Fall gehen Musiker und Zuhörer von fremdbestimmten Kategorien aus, von Sollensvorstellungen, einer Moral, einer Ideologie, von dem, was andere für gut halten, von dem, was in den jeweiligen Kreisen "Kultur" genannt wird. Die Zuhörer versuchen, die Musik zu verstehen mithilfe des Wissens, das sie sich angeeignet haben, intellektuell. Sie analysieren und finden ihren Leistungsanspruch bestätigt. Die gefühlsmäßige Beziehung zur Musik erfolgt über elitäre Bezugsgruppen, denen die Musiker und die Zuhörer sich zurechnen. Intellektuelle Bezugsgruppen verzichten oft auf den unmittelbaren gefühlsmäßigen Bezug zur Musik selbst - ein Opfer, das sie stolz bringen, um sich diesen, den Massen überlegenen Gruppen zuzählen zu dürfen. Der Lohn für sie und die Musiker ist Erfolg und Klassenbewußtsein.

Andere Musiker benützen ihre Fertigkeiten und die Konsumbedürfnisse einer großen Anzahl von Menschen, um Hits zu produzieren. Auch sie geben sich nicht selbst, sondern gehen intellektuell, berechnend vor, indem sie sich an bekannte populäre Muster klammern. Ihr eigener schöpferischer Anteil ist gering, ihre gefühlsmäßige Beteiligung nicht echt, der Erfolg ist ihnen wichtiger als die Musik und das Produkt ist daher oft mager, aber populär wie seine Ideologie. Der Lohn für diese Musiker ist vor allem der Erfolg, die Karriere.

Dann aber gibt es Musiker, die ihre eigenen Gefühle ausspielen, indem sie die für sie denkbaren Mittel einsetzen. Und aus der Wahrhaftigkeit ihrer Gefühlsäußerung ergibt sich ein ursprünglicher, weil nicht auf Berechnung bezogener, gefühlsmäßiger Kontakt zu vielen Menschen, die gleich empfinden. Die Zuhörer bemühen sich hier nicht mehr, die Musiker zu verstehen, sie verstehen sie. Kein Anspruch steht mehr dahinter, sondern reines Geben. Und so verlieren die Zuhörer ihre Vorurteile, ihre Klassendünkel, ihre Herrschaftsansprüche, ihr Pflichtdenken. Sie werden befähigt, sich zu vergessen und aus sich herauszugehen. Daher nehmen sie die Gabe der Musiker dankbar an und obwohl von ihnen keine Leistung verlangt wird, geben auch sie die Liebe, die in dieser Musik steckt, weiter in veränderter Form: im Tanz, im Sex, in der Meditation, in Freundlichkeit. Ohne Umweg über den Verstand oder äußere Autoritäten findet diese Musik Eingang bei den Zuhörern und verwandelt sich durch sie in einen neuen originellen wahren Gefühlsausdruck.

Der Weg eines Musikers beginnt bei ihm selber, indem er von sich und seinen Bedürfnissen ausgeht. Das Instrument, das er spielt, ist für ihn Ausdrucksmöglichkeit seiner eigenen Gefühle. Aber in seiner Kommunikation stößt er an die anderen und erfährt dabei deren Bedürfnisse. Und weil er gern gibt, gibt ein Meister was gefällt. Er versucht es so gut wie möglich zu tun. "I love you" begrüßen die Stars ihre Zuhörer - und sie meinen es. Sie drücken aus was sie denken, sie machen keine Konzessionen an den Publikumsgeschmack. Sie lügen nicht. Sie haben keine Vorurteile. Sie schränken niemand ein. Sie geben nur sich selber an ihr Publikum Sie geben keine moralischen Anweisungen. Sie beschreiben ihr Empfinden ohne Abstriche in Wort, Musik und Show. Sie wenden sich an den ganzen Menschen. Keinen Bereich der menschlichen Sinne klammern sie aus, auch den Verstand nicht, aber Virtuosität und Popularität allein wären ihnen zu wenig. "Laß mich zu meiner vollen Entfaltung kommen", ist ihre Botschaft. Sie wollen dabei durch niemanden aufgehalten werden. Sie stellen dar, wie diese Entfaltung bei ihnen selbst aussieht, und sie zeigen einen Weg auch für andere. Sie singen und spielen nicht von irgendwelchen abstrakten Problemen einer bestimmten Gruppe oder Klasse, sondern von ihren Erfahrungen mit der Selbstentfaltung. Und die anderen, die sich selbst zu ihrer vollsten Entfaltung bringen wollen, verstehen sie unmittelbar, mit allen ihren Sinnen.

Zur Kommunikation gehört auch die Innovation, denn der liebt, ist eins mit der Veränderung der Kräfte um ihn herum. Die Versuche, Selbstverwirklichung zu zeigen, sehen daher 1980 anders aus als 1970. Für einen Musiker stützt sie sich auf die gesamte menschliche Erfahrung und Musikerfahrung seiner Vergangenheit. Selbstverwirklichung ist die Anwendung der Erfahrungen auf die gegenwärtigen Möglichkeiten. Das ist die wichtige neue Information, die die neue Musik liefert. Im Prinzip geht es schon Mozart um dasselbe wie Stevie Wonder, aber die Zeiten haben sich gewandelt, auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen, weil ihnen die Vergangenheit manche Vorteile bringt. Das Herausbringen des immer Neuen, das sich aus den Datensammlungen des menschlichen Geistes und den sich ändernden Bedingungen ergibt, ist ein Merkmal des Lebens, das sich nicht isoliert, sondern offen hält. Die Kommunikation mit allen gegenwärtigen Kräften ist das Grundprinzip des Universums, das immer neue Formen hervorbringt aus den verschiedenen Anordnungen seiner Kräfte.
 
 

Die Kommunikation ist kein Gebot, sondern eine Realität. Wer nicht kommuniziert, vertrocknet. In der Kommunikation liegt der Himmel, der für jeden anders ist. Die Intensität der Kommunikation im vorbehaltlosen Geben schafft das "High", wie heute der Himmel oft genannt wird. Die Menschen fühlen sich umso glücklicher, umso höhere Kommunikationskräfte sie erreichen, umso totaler sie aus sich herausgehen können. "Geben ist seliger wie Nehmen". Geben bringt Erfüllung, den Himmel auf Erden. Das ist das Geheimnis der großen Stars und sie behalten es nicht für sich.

Wenn Menschen etwas von sich geben, drücken sie ihre Gefühle aus und die Anderen antworten ihnen, deren Gefühle angesprochen werden. Fühlst du dich einsam? Es gibt viele Menschen, die einsam sind wie du und so einsam bleiben werden, wenn sie nichts von sich geben.

Kommunikation ist ein Balanceakt. Das ganze Leben ist wie eine Gratwanderung: Der Grat, "the groove", ist das Gefühl der Identität, das Wissen, die Sicherheit, die wir haben, wenn wir tun, was wir wollen, was der "Geist" uns eingibt, die unbezweifelte Intuition. Nur wenige gehen ständig am Grat, die meisten wandern an den Planken, beladen mit der Schwere des Tals, und suchen nach Regeln und Wegweisern. Bis sie schließlich die ihren finden oder auch nicht, vergeht ihr Leben. Die Freiheit haben viele nie gekannt, obwohl auch sie das Licht sehen - wenigstens manchmal. Die Kommunikation besteht bei allem, was lebt. Ihre Grundlage ist in jedem drin, in den Funktionen des Körpers, aber von außen kommende Macht-Angst-Strukturen überlagern die Strukturen des Körpers, des Selbst, wie eine Strahlenverseuchung. Wie Strahlen die Macht haben viele Objekte nach sich auszurichten, erreichen gesellschaftliche Kräfte mithilfe von Ideologien eine kristalline Struktur, die die Menschen in Schubladen verbannt, ins gesellschaftliche Kristallgitter, und nur wenige brechen durch und noch weniger fliegen hinaus zu den Sternen. Manche eignen sich große Handfertigkeiten an, wagen es aber nicht, sich selber darin auszudrücken und so tragen ihre Produkte die Entfremdung, die Angst der Produzenten.

Deshalb möchte ich nicht mehr auf meine mir in langen Jahren eingebläuten Erwartungen von den Anderen Rücksicht nehmen, auf meine Angst vor ihnen, die bewirkt, daß ich mich an meiner Selbstüberschätzung festklammere. Ich möchte einfach loslassen und von mir hergeben, was ich habe und so viel wie möglich davon. Wenn ich das Gitter durchbrechen will, muß ich selber zu strahlen beginnen, einen Rückstoß entwickeln, das Triebwerk zünden, allen Dreck davon abwischen, das Hirn waschen im Feuer der Kräfte, in der Wahrnehmung der Kraftlücken und meiner Antriebe. Ich muß akzeptieren, daß mein Strahlen die Welt berührt, daß ich ein Loch in die Welt reiße, durch das ich mich hindurchfressen, hindurchbeißen muß, denn unsere Form verwirklichen wir am besten, wenn wir uns dafür hergeben.

Erfüllung liegt im Geben, aber das Loslassen macht Schwierigkeiten. In der Lernphase haben wir Ängste zu überwinden, Prüfungen zu bestehen. Die Widerstände werden zu Stufen oder zu Stolperdrähten. Was immer ein Mensch tut - wenn er kommunizieren will, muß er seinen Eigensinn, seine Eitelkeit, die er vor seine Angst stellt, aufgeben. Wer seinen Eigensinn über Bord geworfen hat, seine Widerstände gegen die Wirklichkeit, wer sich nicht mehr an sich selber festklammert, dem steht alles offen, denn was wir "Ich" nennen, worin wir zu leicht unsere Identität sehen, ist der beschränkte Raum, in dem wir uns von den Anderen gefangen halten lassen.

"Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust"! Laß sie kommunizieren! Laß sie ihre Widersprüche ausdrücken, laß beide herauskommen, damit sie sich beweisen können an der Wirklichkeit. Erwarte nichts von den Anderen, geh hin, wo deine Träume erfüllt werden, und laß heraus aus dir, was deine Bedürfnisse erfüllt. Das ist das Schöpferische. Wir sind gespalten zwischen den Anforderungen unseres Körpers und denen der Anderen und wenn wir diese überhand nehmen lassen, werden sie uns überwuchern und ersticken. Das ist der "Teufel", von dem manche besessen sind, irgendwelche Ansprüche von außen, die einen Menschen dazu bringen können, sich aufzugeben, wenn er nicht losläßt. Kommunikation formt die Ängste nicht zu Ideologien oder Zwangsritualen, sie bringt die gegenwärtigen Spannungen zum Ausdruck und überwindet sie. Jedes Wesen in diesem Universum existiert nicht für sich allein, sondern im Konzert mit allem anderen. Das Ausstrahlen und Sich-Verschwenden an alles andere ist das Grundprinzip des Universums, darin zeigt sich Schönheit und daraus kommt Befriedigung. Das schafft auch für uns den Himmel, wie es schon die Gestirne geschaffen hat.

Oft wird das Produzieren als ein Gebot betrachtet, aber was dabei herauskommt ist Scheiße. Ängstlich um sich selber Besorgte glauben oft, gebieten zu müssen, was doch ein Bedürfnis ist. So mißverstehen sie die Anweisungen der Weisen, denn derartiger Zwang führt nicht zum Selbstausdruck, zum Strahlen. Die Menschen werden durch das Fühlen des Guten zum Guten angeregt, nicht durch Kritik. Ein Film, der mir gefällt, Musik, die ich als angenehm verspüre, zwingt mich nicht, aber sie geben mir Anregung - solange ich nicht versuche die Zeit aufzuhalten, indem ich mich daran klammere. Sonst könnten auch sie mir zum Verhängnis werden.

Das einzig Wichtige bei einem Menschen ist das, was er selber ist. Jeder muß es selber tun. Weder Obrigkeiten noch Untertanen können ihm diese Arbeit abnehmen. Eine Million begeisterter Anhänger könnte es nicht. Wer nicht mehr weiter geht, nicht mehr das Neue aus sich hervorbringt, nicht mehr kommuniziert, dessen Himmel wird sich in eine Hölle verwandeln.

Menschen gefallen Menschen, die sich verwirklichen, die ausstrahlen, die geben, denn das ist eines jeden innerster Traum. Die, die schwerer von sich lassen können, die weniger kommunizieren können, hängen an denen, die sich hergeben. Das erzeugt die Machtstruktur der Wirklichkeit. Die Kraft und die Wahrheit der Kommunikation hängen ab von der Selbstverwirklichung, die unmittelbar "belohnt" wird. Der Himmel läßt nicht auf sich warten. Du spürst, was richtig ist und das Gefühl ist das Einzige, an das du dich halten kannst. Auch ein Widerstand kann ein gutes Gefühl geben. Er wird zur Aufgabe und dein Fortschritt zur Befriedigung. Manche Menschen widmen ihr Leben einem Forschungsprojekt, andere widmen es der Musik oder irgendeiner Verrücktheit. Sie alle bleiben nicht bei sich selber. Sie geben sich selber her und sie erreichen den Himmel auf Erden, den einzigen, den es gibt für uns Irdische. Der Ausgangspunkt ist ein Bedürfnis. Es drängt, es muß heraus, es muß die Widerstände überwinden.

Die Schönheit ist eine Ausstrahlung, ein Licht. Sie beruht darauf, daß ein Wesen tut, was ihm ein Bedürfnis ist, daß es sich selbst verwirklicht. Schön sind daher auch die "Schädlinge" in ihrer Art. Alles leben ist schön. Nichts davon ist schlecht, nichts davon ist wegzudenken. Ohne die Viren wären auch wir Menschen nicht. So hat sich das Universum fortentwickelt, dadurch, daß es Gegenspieler gibt für alles und jedes. So haben sich immer neue Seinsebenen herausgebildet. Das ist das ewige Leben: Wie das eine in das Andere übergeht, wie keines spurlos verschwindet. Ein jedes Wesen hinterläßt seine Markierung im Universum, ein jedes Atom. Alles und jedes trägt bei zu dem, was ist.

Die Schönheit und Stärke eines Wesens kommt von seiner Selbstverwirklichung, davon daß es die Botschaft, die in ihm enthalten ist, in der Kommunikation mit seiner Umwelt verwirklicht. (So ist auch der Anfang des Johannesevangeliums zu verstehen: "Am Anfang war das Wort ... Und das Wort ist Fleisch geworden ..."). Die biologische Botschaft, das, was einem Wesen ein Bedürfnis ist, nennt man oft "Instinkt". Schon unsere Körperzellen veranlaßt sie, genau das zu tun, was sie tun. Sie wissen genau, was ihnen behagt und sie bekommen es. Die Menschen, die tun, was ihnen ein Bedürfnis ist, spüren die Wahrheit ihres Handelns und sie bekommen, was sie wollen. Nicht nur hat ihr Tun die "Belohnung" schon in sich, sie bekommen den Erfolg noch oben drauf. So wirkt die Dialektik der Kommunikation. Der Schmerz des Gebens und des Loslassens schlägt in Lust um, wenn wir die Anstrengung, die es kostet, wenn sich ein Bedürfnis seinen Weg bahnt, bewußt und freiwillig akzeptieren, wenn wir eins sind mit unserer Botschaft. Es ist eine Sache der Einstellung, des Vertrauens, des Glaubens an das Selbst.

Der Widerspruch der Umwelt macht Menschen an sich zweifeln, sodaß sie sich gehen lassen. Die meisten Menschen sind eingeschüchtert durch übermächtige Kräfte, die ihnen gleichzeitig, wenn sie sich unterwerfen, Widerspruchsfreiheit versprechen. Und diese Einschüchterung macht die Menschen faul. Sie verlassen sich - auf diese Mächte. Ein Tiger aber ist nicht zu faul einen Büffel zu erlegen, wenn er Hunger hat. Der Schmerz der äußersten Konzentration und Anstrengung wird ihm zum Genuß und seine Freude schlägt sich nieder in seiner Schönheit. So funktioniert das ganze Universum. Wir können es uns zum Vorbild nehmen, so funktionieren auch wir am besten. Daß wir die Realität anerkennen, so wie sie ist, und selber die Kontrolle über uns übernehmen, sind die Voraussetzungen dafür. Aus dieser Anerkennung heraus können wir "Halleluja" rufen, weil die Welt so gut ist - wie geschaffen für uns. Die Welt ist großartig. Wir brauchen nur zu tun, was wir fühlen, das ist die Gebrauchsanweisung, die unserer Apparatur, unserem Körper, beiliegt. Wir können sie nicht ignorieren. Sie läßt es uns spüren, wenn wir uns nicht an sie halten. Alles wird bestens sein. Wir brauchen nur aufhören zu lügen, nur heimkehren zu uns selber.

Man kann die Schöpfung verstehen als eine Pyramide der Kraft. Jedes Element in dieser Pyramide ist gleichzeitig selber alleinige Spitze, und doch baut das Eine auf das Andere auf. Selbst ein Atom ist, für sich, die Spitze der Pyramide in seiner Vollendung, die immer da und nie am Ende ist. Das Nicht-Sein, das Anders-Sein ist etwas, das irgendwann kommt, nichts ist sich selber jemals gleich. Auch ein Atom erfährt laufend Veränderungen, nicht nur durch die Bewegung in ihm, auch durch die Bewegung überall sonst ändert es seine Identität mit der Zeit, keines seiner Teile bleibt das selbe.

Die Kommunikation findet ständig statt. Sie schafft und überwindet gleichzeitig die Zeit. Ich und die Welt, das ist der Widerspruch, der Anlaß zur Kommunikation, ein Elektron und die Welt, ein Virus und die Welt. eine Ratte und die Welt, ein Planet und die Welt, ein Sternensystem und die Welt. Die Vielfalt entsteht durch die Verwirklichung der eigenen Möglichkeiten in Kommunikation mit dem All. Das, was wir als gut wahrnehmen und als schön, entspricht unserem Programm, hinter dem Jahrmilliarden von Erfahrung stecken. Indem ein Wesen dieses Programm unter den herrschenden Bedingungen optimal umsetzt, hat es Teil an der Schöpfung, schafft es den Fortschritt. Indem es sich zur Wehr setzt gegen alle widrigen Kräfte, indem es lernt, werden auch die künftigen Generationen wissen. Keiner geht spurlos vorüber, alle werden registriert, nicht von einem buchführenden Gott, sondern von der Welt. Sie beeindrucken diese Welt, in der eines auf das Andere aufbaut. Wir alle sind Spitze, Originale, aber wir wären nicht denkbar ohne das, was vor uns war. Durch die vergangenen, genauestens registrierten Erfahrungen sind wir geprägt, determiniert. Und wir sind dadurch bestimmt, daß von Tausenden von Samenzellen nur eine in das Ei eindringen kann. Das ist die Auswahl der guten Erfahrung. Die hohen Todesquoten sind notwendig, damit nichts verloren geht. Auch das, was als völlig umsonst erscheint, wäre nicht wegzudenken. So geht es vorwärts in der Natur.

Unsere Gefühle sind der körperliche Ausdruck der Kommunikation unserer bis an den Beginn der Welt zurückreichenden Erfahrung mit den wirkenden Kräften. Wenn Menschen Sympathie bemerken und nicht recht wissen, was sie da anzieht, so sind es irgendwelche Assoziationen, die in ihrer Konkretheit gar nicht bewußt werden können, weil es so viele sind. So erscheinen sie wie im Gedächtnis gespeicherte "Werte" für bestimmte Strukturen, die sowohl in der Erfahrung dieser Person als auch in den Erfahrungen vor dieser Person entstanden sind. Diese Werte kommen ins Bewußtsein, indem sie als gemeinsames Merkmal von Erfahrungen wieder auf die Körperzonen zurückprojiziert werden, von denen sie ursprünglich stammten. So erkennt unser Körper sie wieder als ein Auslöseschema. So arbeitet das Bewußtsein. Die Geninformationen spiegeln sich im Hirn in der selben Weise wieder wie im ganzen Körper, der unsere Erfahrung speichert, als vorprogrammierte Gefühle, Instinkte.

Die Konfrontation, die es im menschlichen Leben zu bewältigen gilt, ist der Widerspruch unserer persönlichen Werte zur Umwelt. Alle äußeren Wegweiser, auch die der Religionen, bleiben auf einer Vorstufe zur Selbstverwirklichung stehen. Nur die Mystiker in den Religionen stoßen durch den Nebel durch und ganz einfache Leute, die von selber ihren Gefühlen folgen, weil sie wissen, daß sie sich von "Gott" keine Vorstellung machen können. Unsere eigene Erfahrungsstruktur voll erkennen in ihrer Gleichzeitigkeit heißt "Gott" erkennen, unsere Form. Das Wiedererkennen findet im Prozeß der Konfrontation mit der Umwelt statt. Möglicherweise werden wir Teile unserer Erbinformation nie erkennen, wenn es der Zufall so will, daß wir keine Gelegenheit haben, bestimmte Erfahrungen zu machen. Umso besser wir aber diese Werte entdecken und ihnen folgen, umso freier wird unser Leben sein. Wir werden die positiven Erfahrungen wiedererfahren und vertiefen und die negativen ausscheiden. Aber erst wer es erfahren hat, weiß, daß die Kommunikation das Höchste ist. Erst im Nachhinein erkennen wir, daß die Kommunikation die positiven Erfahrungen schafft. Erst wenn wir die Angst überwunden haben, wissen wir, daß das Strahlen Sinn und Erfüllung des Lebens ist.

Unser Körper ist das uns von "Gott" gesetzte Zeichen, die Offenbarung, die Fleischwerdung seiner selbst. An ihm tragen "Himmel" und "Hölle" ihr Spiel aus. Auch die, die den Himmel vom Gott ihrer Religion erwarten, sind am Ende auf sich selber zurückgeworfen. Der "Gott", der unseren Körper geschaffen hat mit seinen Gefühlen, ist die einzige Richtschnur, die wir haben. Und nur der ist dem wahren "Gott" treu, der seinen Gefühlen treu ist, dem letztlich einzigen Zeugnis von "Gott". Dein Körper gibt dir deine Position im Universum an. Du bist die Verwirklichung des Wortes Gottes, sein Zeuge, indem du deine Gefühle ausdrückst, deine Träume verwirklichst. Dadurch sprichst du die Wahrheit. Wenn du berechnend bist, lügst du, denn wer könnte die Welt berechnen? Besser seinen Gefühlen nachgehen und daran sterben, als sich ein langes Leben lang anlügen, denn dann war alles umsonst.

Manche Menschen haben schlechte Ausgangspositionen im Rennen um den Preis. Viele werden als Sklaven geboren und manche kommen nicht davon los, vom "bösen Feind", vom "Teufel". Sie verlassen sich auf die Anderen, die Götzen, anstatt auf sich selber. Aber wer unterdrückt wird, muß sich wehren. Wenn er Fürsprecher oder Mitstreiter findet, ist es ein Glück. Wenn er seine Gefühle kommuniziert, ist es wahrscheinlicher, daß er Helfer findet. Kommunikation läßt die Menschen nicht kalt, sie motiviert. Diejenigen, die fremden Göttern nachlaufen, schränken ihre Kommunikation ein auf die Autorität, in deren Dienst sie sich stellen. Sie haben sich noch nicht befreit. Was sie schaffen, ist das Werk anderer, von denen auch die Belohnung abhängt. Und doch kann man keinem vorschreiben, sich zu befreien. Jeder geht so weit, wie er glaubt, er kann gehen. Manchen werden die Widerstände zu groß und sie bleiben stehen in jemandes Dienst, der sie ausreichend befriedigt. Aber erst wenn sie sich ganz hergeben können für das, was sie als das Ihre betrachten, können sie glücklich werden, gleich welchen sozialen Rang sie einnehmen.

Wir sind nur ein winziges Staubkorn in der Mühle "Gottes". Wir fangen an und wir hören auf und das Universum hat uns nicht bemerkt. Wir sollten uns nicht so wichtig nehmen. Der Tod ist das Zeichen, daß wir eingesetzt sind von höheren Machten, die auf uns nicht angewiesen sind, daß wir nur Bausteine des Ganzen sind, die, für sich völlig unwichtig, doch das Ganze erhalten. Und gerade der Tod sagt uns, daß wir keine Zeit verlieren sollten in der Entfremdung, denn das, was wir tun auf unserem Weg, ist alles, es ist unser Leben. Unser Leben ist "Gott", wir sind "Gott". Und "Gott" zeigt uns seinen Weg, den Weg unserer Gefühle.

Was die meisten Menschen heute unter "Gott" verstehen, kennen sie nicht. Sie verstehen etwas Spirituelles, etwas völlig Abstraktes, einen Geist abstrahiert von ihnen selbst, der ihnen gegenübersteht wie ein Marionettenspieler als das völlig Andere. Aber jeder Mensch ist das göttliche Programm. In ihm verwirklicht "er" sich im mikrokosmischen Ausmaß, signifikant für das ganze Universum. Eine Betrachtung unserer selbst genügt, alles zu verstehen. Alle Mythen berichten davon. Wenn Jesus sagt "mein Vater", meint er den, der seinen Körper gemacht hat, den Schöpfer des Universums. Mein Körper sagt mir, was ich tun muß, und der Schöpfer durch ihn, dessen Phase ich bin. Ich bin nicht aus mir selbst entstanden. Ich bin aus der Mutter Erde emporgestiegen und werde wieder zu ihr zurückkehren. Und weil ich mich nicht selbst gefügt habe, muß ich mich dem fügen, was ich bin.

Es gibt menschliche Erfahrungsberichte, die zurecht "Gott" zugeschrieben werden. Dort heißt es dann: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Heute könnte man sagen: "Kommuniziere". Das bringt den Himmel auf die Erde. Und es könnte sein, daß wir, an einem Höhepunkt der Kommunikation uns in "Geister" verwandeln, denen, wie Herakles oder Jesus, Unsterblichkeit zuteil wird.

Was wir wissen, ist das, was unser Körper uns erzählt, unser einziger Maßstab. Keiner kann uns die Last abnehmen, die unser Leben ist. Wir können sie nur los werden, indem wir sie herauslassen, uns selber hergeben an das, was uns paßt. Erst der Glaube an den "Ich bin, der ich bin", an unsere eigenen Gefühle, überwindet die Entfremdung, weil er uns von der Abhängigkeit an andere löst und zur Liebe führt, in der sich das Selbst an die Welt verströmt.

Die Gebote Gottes, die verschiedene Religionen verkünden, sind menschliche Erfahrungen, die darauf abzielen in den Himmel zu führen, diesen Körper den Himmel erleben zu lassen. Sie zeigen einen Weg auf. Aber für die, die vergessen haben, daß der Körper "Gottes" Stimme ist, haben die Gebote ihren Grund nur noch in den Autoritäten ihrer Religion und verlieren mit diesen ihre Bedeutung. In ihren Ursprüngen wollen die Religionen den Bund mit "Gott", der bedeutet, daß wir uns erfreuen lassen von seiner Schöpfung, von allem und jedem, das uns erfreuen kann. In diesem Bund nehmen wir die Liebe an, d.h. wir verwirklichen uns selber, unser innerstes Programm. Die Gebote warnen vor der Verweigerung. Sie fordern das Bewußtsein eines Kriegers. Jeder kennt die Bereiche seiner eigenen Verweigerung. Und jeder weiß, daß die Verweigerung nichts einbringt. Die Verweigerung des Lebens führt zum Tod.

Heute ist die rechte Zeit, die alte Bedeutung dieser Gebote, des universalen Bundes mit "Gott", neu zu verkünden. Die Völker sind einander so auf den Leib gerückt, daß der Friede nicht mehr durch Krieg zu erreichen ist. Heute ist die Selbsterhaltung eines jeden Volkes nur noch dadurch möglich, daß die vielen Völker ihre Kräfte gemeinsam einsetzen, daß sie die Welt vereinen. Nicht mehr ein isolierter völkischer Mythos kann daher die Richtschnur für das Leben werden. Alle Mythen dieser Welt müssen zusammen gesehen werden, wenn sie helfen sollen, und sie alle weisen darauf hin, daß jeder Einzelne sich nur auf sich selber stützen kann, auf seinen Körper. An die Stelle der lokalen, wunderbaren Offenbarung aus dem Weltraum tritt die Offenbarung im Körper - und die war es immer schon.

Unser Körper hat ein Programm, das uns von unseren Vorfahren in den Genen übertragen ist, wo die Geschichte aufgezeichnet ist in den Knoten und Windungen, die sich die Alten zum Vorbild genommen haben für ihre Geschichtsschreibung. Mit dieser Ausgangsinformation beginnt jeder Mensch sein Leben. Wie jede Zelle in uns am besten davon lebt, daß sie ihren Erbauftrag erfüllt, den sie in sich fühlt, leben wir am besten, indem wir mit der Menschheit und mit dem Universum kommunizieren auf der Grundlage unseres Programms, unserer Gefühle. An ihm erfahren wir: Geben bringt Erfüllung.
 
 

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